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03.11.2015 16:15

Chronist in turbulenter Zeit

Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal trauert um ihren früheren stellvertretenden Geschäftsführer Walter Roth


Walter Roth (1928 bis 2015)

K o r n t a l / 02. November 2015 – Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal trauert um Walter Roth, ihren langjährigen stellvertretenden Geschäftsführer, stellvertretenden Vorsteher und profunden Kenner der Brüdergemeindegeschichte. Im Oktober ist er im Alter von 86 Jahren verstorben. Walter Roth war von 1955 bis 1988 für die Verwaltung der Bildungsinstitute, der wirtschaftlichen Betriebe sowie der diakonischen Einrichtungen der Brüdergemeinde zuständig. Darüber hinaus verfasste er die Chronik „Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal“, die die Historie der selbstständigen pietistischen Gemeinde von ihren Anfängen 1819 bis in die 1990er Jahre beschreibt.

Walter Roth übte sein Amt in turbulenten Zeiten für das Werk der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal aus und gestaltete in seiner über 30-jährigen Dienstzeit tiefgreifende Veränderungsprozesse mit. Denn von der frühen Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre hinein erfuhr die Brüdergemeinde den wohl stärksten Bedeutungs- und Aufgabenwandel seit ihrer Gründung. Roth erlebte den endgültigen Abschied von der Gründerzeit-Brüdergemeinde vom kommunalen Vollanbieter mit Einzelhandelsgeschäften, Gästebetrieben, einem Altenheim und einer Krankenpflegestation sowie zahlreichen pädagogischen Einrichtungen hin zur Bündelung der Kernkompetenzen der Brüdergemeinde als geistliches und diakonisches Zentrum innerhalb der württembergischen Kirchenlandschaft. Ein Nachruf auf ihn gerät so unweigerlich zum Streifzug durch die sozialen, pädagogischen und wirtschaftlichen Bereiche der Brüdergemeinde von den 1950ern bis in die 80er Jahre.

Das Aufgabenportfolio Walter Roths war breit angelegt. Neben der Brüdergemeindeverwaltung, vom wichtigen Amt des Protokollführers bei Gremiensitzungen des Gesamtwerks bis hin zur Erstellung von Haushalts-, Wirtschafts- und Personalplänen, war er Vertreter der Brüdergemeinde in dem nach dem Krieg zusammen mit der bürgerlichen Gemeinde Korntal gegründeten Schulverband. 1958 erbauten Brüdergemeinde und Stadt gemeinsam das heutige Gymnasium Korntal an der Charlottenstraße. Ab 1974 übernahm die Stadt Korntal die alleinige Trägerschaft der Schulen. Die Brüdergemeinde indes verabschiedete sich von ihrer umfangreichen öffentlichen Internats- und Schularbeit. Heute betreibt sie innerhalb ihres diakonischen Werks als privater Träger die Johannes-Kullen-Schule Korntal und die Hoffmannschule Wilhelmsdorf im Kreis Ravensburg als Schulen für Erziehungshilfe.

Im Gottlieb Wilhelm Hoffmann-Werk (GWH), benannt nach dem Gründer der Brüdergemeinde, sind bis heute deren wirtschaftliche Aktivitäten zusammengefasst. Zur Zeit Walter Roths betrieb die Gemeinde zwei Gemeindehandlungen, zwei Gästehäuser sowie eine Kohlenhandlung. Die Gemeindehandlung ging Ende der 1960er Jahre an eine Genossenschaft. Als Gästehaus ist alleine das Hotel Landschloss Korntal übrig geblieben, das die Brüdergemeinde in Eigenregie fortführt. In den Verantwortungsbereich von Walter Roth fielen zudem das damalige Altenheim der Brüdergemeinde sowie die Kindergärten, die heute zusammen mit den Jugendhilfeeinrichtungen in Korntal und Wilhelmsdorf, dem Schulbauernhof Zukunftsfelder und zwei landwirtschaftlichen Betrieben unter dem Dach der Diakonie der Ev. Brüdergemeinde zusammengefasst sind.

Die epochalen Veränderungen – der unweigerliche Blick zurück im Angesicht des Neuen – ließen Walter Roth zusammen mit seinem tiefen Einblick in die verschiedenen Arbeitszweige des Werks zum Experten in Sachen Brüdergemeinde-Historie werden. 1994 verfasste er mit dem Buch „Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal – Ein Gemeindemodell des Pietismus in Württemberg“ ein Standardwerk zur Geschichte der Brüdergemeinde. Darin beschrieb er die historischen Anfänge Korntals, das Selbstverständnis und die Gemeindeordnung der Brüdergemeinde, die Gründung und das Wirken der pädagogischen, diakonischen und wirtschaftlichen Einrichtungen und fügte zudem kurze Porträts Korntaler Persönlichkeiten aus Politik, Mission und Diakonie hinzu.

Nach seinem Ruhestand 1989 engagierte sich Walter Roth als ehrenamtliches Mitglied des Brüdergemeinderats und übernahm zusätzlich das Amt des stellvertretenden Vorstehers. Als Gemeindehistoriker meldete er sich immer wieder mit Artikeln zu historischen Personen und Einrichtungen der Brüdergemeinde zu Wort. Sein Anliegen: Die reiche Geschichte der Brüdergemeinde wach halten! Vorsteher Klaus Andersen: „Solche Biografien, die gekennzeichnet sind von sehr großer Treue und Identifikation mit einem Werk sowie mit einer hohen menschlichen und fachlichen Kompetenz, sind in unserer schnelllebigen Berufswelt selten geworden. Das Werk der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal hat Walter Roth viel zu verdanken.“