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26.07.2013 14:49

Abschied nach über 39 Jahren in der Jugendhilfe Korntal

Walter Link, Sonderschulrektor der Johannes-Kullen-Schule, prägte die Geschicke der Jugendhilfe der Evangelischen Brüdergemeinde wesentlich mit. Eine Nachfolge gibt es noch nicht.


Zum Foto (Chris Riekert): Engagiert und gut vernetzt: Walter Link geht als Schulleiter der Johannes-Kullen-Schule in den Ruhestand.

K o r n t a l / 22. Juli 2013 – Der Sonderschulrektor der Johannes-Kullen-Schule Korntal (JKS) Walter Link (63) ist offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Mehr als 300 Gäste fanden sich im Großen Saal der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal ein, um dem beliebten und hoch angesehenen Pädagogen ihre Wertschätzung auszudrücken. Walter Link war 1974 als Grund- und Hauptschullehrer an der JKS gestartet. Nach einer zweijährigen Unterbrechung, in der er ein Studium der Sonderpädagogik in Reutlingen absolvierte, kehrte er 1976 als Sonderschullehrer wieder an die JKS zurück. 1991 wurde er Leiter der Jugendhilfe Hoffmannhaus, die sich mit der JKS auf einem Gelände befindet. Von 2003 bis 2005 leitete er beide Einrichtungen sogar in Personalunion. 2005 wechselte er wieder ganz zur JKS und wurde Schulleiter der einzigen Schule für Erziehungshilfe im Landkreis Ludwigsburg. Die Nachfolgefrage ist indes weiterhin offen. Zunächst soll der bisherige Konrektor Georg Gutjahr die kommissarische Leitung der Schule übernehmen.

Viel Lob und Anerkennung wurde Walter Link bei seiner Verabschiedung von den Fachbehörden zuteil. Hubert Haaga vom Kultusministerium des Landes zeigte sich in seinem Grußwort beeindruckt vom zwischenmenschlichen Umgang Walter Links auch in schwierigen Sachfragen. „Im Mittelpunkt bei den Gesprächen stand bei ihm immer der Mensch und nicht etwa der Funktionsträger einer Behörde“, so Haaga. Als positive Merkmale der Korntaler Schule für Erziehungshilfe hob er neben ihrer guten Vernetzung in die Fachwelt und in der Öffentlichkeit sowie der Arbeit mit den Eltern hervor, dass es ihr besonders gut gelinge, „die Bedürfnisse der Kinder in pädagogische Konzepte umzusetzen“. Die JKS besuchen Schülerinnen und Schüler, die aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten in Regelschulen große Schwierigkeiten haben.

Weiterentwicklung des Angebots
Roland Stäb vom Jugendamt des Landkreises Ludwigsburg hob die Weiterentwicklung und Differenzierung der Korntaler Jugendhilfeangebote unter der Leitung von Walter Link hervor. In einer Zeit, in der die stationäre Unterbringung von Kindern und Jugendlichen mehr und mehr infrage gestellt wurde, habe Link durch neue teilstationäre und ambulante Angebote wie Tagesgruppen und Sozialpädagogische Integrationshilfen neue fachliche Felder erschlossen. „Walter Link hat die Schule als Lern- und Lebensraum begriffen und eine leistungs- und zukunftsfähige Einrichtung aufgebaut“, so Stäb.

Wolf: Eine Vaterfigur geht
Der Bürgermeister von Korntal-Münchingen Dr. Joachim Wolf beschrieb Walter Link als eine der letzten Vaterfiguren, die Generationen von Schülern in Korntal geprägt habe. Wolf betonte die Wichtigkeit der Beratungsdienste der JKS an Kindertageseinrichtungen und öffentlichen Schulen. Auch hier seien zunehmend Sonderpädagogen gefragt, die die Lehrkräfte an Regelschulen darin unterstützten, mit verhaltensauffälligen Schülern besser umgehen zu können. Wolf verwies auf die hohe Akzeptanz der Jugendhilfe in Korntal. In der JKS, dem Hoffmannhaus sowie dem Flattichhaus der Diakonie der Ev. Brüdergemeinde werden täglich über 400 Kinder und Jugendliche betreut. Fast 100 leben in stationären Wohngruppen. „In Korntal ist Inklusion bereits gelungen“, sagte Wolf.

„Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“
Walter Link verwies in seiner Ansprache auf ein Sprichwort aus Afrika: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen.“ Auf Korntal bezogen habe man schnell gemerkt, dass es darüber hinaus auch gute Freunde der pädagogischen Arbeit brauchte, so Link. Schon kurz nach der Gründung der Brüdergemeinde 1819 war die Korntaler Kinderrettungsanstalt, die heutige Jugendhilfe Hoffmannhaus ins Leben gerufen worden. Pietistische Gemeinschaften auf der Schwäbischen Alb hätten regelmäßig ihre Erntegaben dem Kinderheim gespendet. Aber auch heute setzt die JKS als Schule in privater Trägerschaft weiterhin auf Freunde und Förderer. So verwirklichte sie 2011 den Neubau des Pausenhofs mit der Hilfe zahlreicher privater Geldgeber. Ebenfalls durch Spenden wurde die Anschaffung einer Kamera für die „Foto-AG“ der Schule möglich. Zur beruflichen Orientierung veranstaltete man mit Porsche einen Projekttag, an dem die Schüler selbst im Werk mitarbeiten konnten. „Es war immer gut zu wissen, dass es Unterstützer und auch Beter für unser Anliegen gegeben hat. Die brauchen wir auch weiterhin“, sagte Walter Link. Allerdings konnte er trotz mehrmonatiger intensiver Suche noch keinen Nachfolger als Sonderschulrektor vermelden. Dieses Amt übernimmt kommissarisch der bisherige Konrektor, Georg Gutjahr ab 1. August. Ihm zur Seite steht der neue Konrektor Kai Holtkamp, der aus dem eigenen Kollegium stammt.

Die Johannes-Kullen-Schule Korntal
Die Johannes-Kullen-Schule besuchen 235 Schüler in der Korntaler Stammschule auf dem Gelände der Jugendhilfe Hoffmannhaus sowie in den drei Außenstellen in Bietigheim-Bissingen, Leonberg und Vaihingen/Enz. Sie werden von insgesamt 57 Lehrkräften an der Schule unterrichtet. Im Rahmen des „Sonderpädagogischen Dienstes“ beraten diese an 150 Schulen im Landkreis Ludwigsburg und Altkreis Leonberg Eltern und Lehrer, wenn Schüler verhaltensauffällig werden. Ziel dieser Beratung ist es, möglichst Wege zu finden, die den weiteren Besuch einer Regelschule ermöglichen. Außerdem wird Eltern sowie sozialpädagogischen Fachkräften aller Kindertagesstätten im Landkreis Ludwigsburg und im Altkreis Leonberg im Rahmen einer Frühberatung kostenlose Hilfe durch die JKS angeboten.