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30.10.2017 10:08

Aufklärungsprozess Korntal geht in entscheidende Schlussphase

Pressemitteilung 30.10.2017


Am Sonntag, dem 29.10.2017 fand in Stuttgart das zweite Treffen ehemaliger Heimkinder statt. Mit 41 Personen und allen neun Mitgliedern der Auftraggebergruppe, den beiden Aufklärern und Pfarrer Hägele von der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal, war das Treffen sehr gut besucht. Es fand in einer insgesamt sehr freundlichen und von viel Wohlwollen geprägten Atmosphäre statt. Betont wurde anfangs nochmals der insgesamt erfolgreich und vor allem wie Prof. Hafeneger betonte, der unter hoher Partizipation der Betroffenen verlaufende Prozess der Aufklärung: Zwei kompetente und prominente Aufklärer wurden gefunden, die seit April 2017 ihrer z. T. aufreibenden Arbeit mit hoher Intensität nachgehen: Inzwischen haben 69 Gespräche mit der Aufklärerin Frau Dr. Baums-Stammberger stattgefunden, knapp 30 weitere Gespräche sind bis Ende des Jahres terminiert. Die Rückmeldungen sind allesamt außerordentlich positiv, Menschen, die sich Frau Dr. Baums anvertraut haben, schreiben, wie erleichtert sie sind, dieses Gespräch gewagt zu haben und dass sie in großem Vertrauen aus dem Gespräch herausgegangen sind. Herr Prof. Dr. Hafeneger hat bereits mehr als 25 m an Akten in unterschiedlichen Archiven gründlich bearbeitet, nun geht es an die letzten Archive und an die wissenschaftliche Auswertung der Dokumente. Der Abschlussbericht wird im Frühjahr vorgelegt. Auch die Arbeit der Vergabekommission kann nun beginnen. In ihr werden drei Personen aus dem Bereich Psychotherapie, Sozialarbeit und Erziehungswissenschaft unter Leitung von Frau Dr. Baums-Stammberger arbeiten und die Höhe der von der Evangelischen Brüdergemeinde zur Verfügung gestellten freiwilligen Anerkennungsleistungen festlegen. Eine Auszahlung erfolgt nach Beendigung aller Gespräche und Sichtung aller Gesprächsprotokolle. Diese Protokolle wie auch die Tonaufnahmen der Gespräche werden nach Abschluss des Aufklärungsprozesses einem Archiv übergeben und dort verschlossen archiviert.


Geklärt wurde ebenfalls, dass die Anerkennungsleistungen weder anrechenbar sind im Rahmen von Hartz-IV-Leistungen, noch pfändbar und auch in Form von Barchecks auszahlbar sein werden.


Während des Treffens gab es mehrere sehr emotionale Äußerungen von Betroffenen, die deutlich machten, wie wichtig Ihnen diese Aufklärungsarbeit ist und wie wichtig es Ihnen ist zu erleben, dass die Brüdergemeinde bereit ist sich ihrer Verantwortung zu stellen und diesen langen und in Teilen auch aufreibenden Prozess mitzutragen. Auch Pfarrer Hägele betonte nochmals in diesem Zusammenhang, wie wichtig dieser Aufklärungsprozess auch für die Gemeinde sei, die wissen wolle, was geschehen ist, um sich der Verantwortung zu stellen.


Wolfgang Schulz, ein Betroffener und Mitglied der Auftraggebergruppe sagte u.a., wie wichtig es für ihn sei, auch durch diesen Prozess zu „einem inneren Frieden zu finden“ und sich auf einen Weg zu machen zu vergeben und dass er sich sehr wünsche, dass dies auch für andere möglich sein sollte. Zwei von 41 Teilnehmern haben sich kritisch geäußert und die wiederholt geäußerte Sicht vertreten, dass der gesamte Prozess nicht unabhängig und nicht kompetent geführt wurde. Demgegenüber betonte die Moderatorin Frau Prof. Dr. Rohr, dass es in keinem Prozess möglich sei, die volle Wahrheit zu ergründen, vollkommene Gerechtigkeit herzustellen und vergangenes Leid aus der Welt zu schaffen. Es ist lediglich möglich, sich dem zu stellen und Wiedergutmachung zu leisten, soweit dies möglich ist.


Das nächste Treffen mit den ehemaligen Heimkindern im Frühjahr 2018 wird bereits dazu dienen, den Abschlussbericht vorzustellen und zu erläutern. Die finanziellen Anerkennungsleistungen werden bis dahin ausgezahlt sein. Die Evangelische Brüdergemeinde wurde aufgefordert, dafür eine Form zu finden, mit der sie den Betroffenen gegenüber die Anerkennung des Leids und eine Verantwortungsübernahme in der Begegnung ausdrücken will.


Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz
Moderatoren