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24.11.2017 14:06

Statusmeldung zum Aufklärungsprozess


Statusmeldung der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

und ihrer Diakonie zum Aufklärungsprozess

 

Korntal, 24.11.2017 Im Rahmen des Aufklärungsprozesses der Missbrauchsfälle von 1949 bis in die 1980er Jahre in den Werken der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal blickt der Weltliche Vorsteher, Klaus Andersen, zurück auf das Jahr 2017 und gibt sowohl zu den wesentlichen Entwicklungen als auch zur Haltung der Brüdergemeinde im Gesamtprozess folgende Statusmeldung ab:

 

Unsere Position im Aufarbeitungsprozess:

„Als Vertreter der Brüdergemeinde möchte ich allen beteiligten Anspruchsgruppen unsere klare Haltung im Aufklärungsprozess noch einmal darlegen:

Wir, die Evangelische Brüdergemeinde Korntal, stehen zu unserem Wort, dass wir eine umfassende, vorbehaltlose und unabhängige Aufklärung zum Ziel haben. Aus unserer Sicht ist dies mit dem kompetenten Aufklärungsteam, das im April dieses Jahres seine Arbeit aufgenommen hat, und unter Berücksichtigung aller Höhen und Tiefen, die der Aufklärungsprozess durchlaufen hat, bislang gut gelungen.

Von Beginn an haben wir uns als aufarbeitende Institution unserer Verantwortung gestellt und bewusst den Weg der Partizipation gewählt. Denn wir wollten und wollen, dass Betroffene und Beteiligte an einem Tisch sitzen, um gemeinsam über den Weg der Aufklärung zu entscheiden und diese schwere Aufgabe gemeinsam zu lösen.

Dass es bei dem von uns gewählten Weg der Beteiligung selbstverständlich zu emotionalen Wortmeldungen sowie zu engagierten sach- und inhaltsbezogenen Diskussionen und Konflikten kommen würde, war und ist uns allen von Beginn an klar gewesen.

Es hätte einen leichteren Weg geben können, einen Weg, der von uns als Institution vorgegeben worden wäre, aber das hätte nicht unserem Verständnis von einer umfassenden und ehrlichen Aufarbeitung entsprochen.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass wir nicht alle mit dieser Aufklärung erreichen und auch nicht alle mit dieser Aufklärung aussöhnen können. Aber, unser Ziel war es von Anfang an, diese Aussöhnung gemeinsam, unter Einbeziehung aller Betroffenen, zu versuchen.

Als verantwortliche Institution müssen wir - bei allem Respekt und Verständnis für subjektive Kritiken - unseren Teil dazu beitragen, dass mehrheitliche Entscheidungen und Vereinbarungen der Auftraggebergruppe auch respektiert und umgesetzt werden.

 

Der Aufklärungsprozess hat in der Vergangenheit immer mal wieder beweisen müssen, wie nah er sich an den Betroffenen orientiert und wie flexibel er auf Impulse seiner Beteiligten reagieren kann. Dies geschieht weiterhin im Rahmen der Auftraggebergruppe.

Als Verantwortlicher der Brüdergemeinde bin ich nach wie vor von dem Weg der partizipativen Aufarbeitung überzeugt und werde mich weiter dafür einsetzen, dass der Prozess zu einem für alle Seiten transparenten, nachvollziehbaren und hoffentlich befriedenden Abschluss geführt wird.“

 

Nachstehend nun Informationen zum aktuellen Stand des Aufklärungsprozesses:

 

Zum Stand der Gesprächsführung mit der Aufklärerin, Frau Dr. Baums-Stammberger:

„Seit Beginn der Aufklärung im April 2017 mit den beiden Aufklärern hat Frau Dr. Baums-Stammberger über siebzig Gespräche mit ehemaligen Heimkindern geführt, bis zum Jahresende werden es ca. einhundert sein. Die Moderatoren der Aufftraggebergruppe, Frau Prof. Dr. Elisabeth Rohr und Gerd Bauz, schreiben dazu in ihrer Pressemitteilung vom 30.10.2017: „Die Rückmeldungen sind allesamt außerordentlich positiv, Menschen, die sich Frau Dr. Baums anvertraut haben, schreiben, wie erleichtert sie sind, dieses Gespräch gewagt zu haben und dass sie in großem Vertrauen aus dem Gespräch herausgegangen sind.“

„Wir als Brüdergemeinde sind dankbar, dass der Aufklärungsprozess mit Frau Dr. Baums-Stammberger von einer sehr kompetenten und engagierten Vertrauensperson geprägt ist, die ihren Aufgaben mit großer Sorgfalt, Professionalität und einem hohen Maß an Verantwortung nachgeht.“

 

Zur Arbeit von Herrn Prof. Dr. Hafeneger:

„Prof. Dr. Hafeneger hat eine Vielzahl von Akten in unterschiedlichen Archiven gründlich bearbeitet, ebenso hat er Gespräche mit ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt. Nun geht es an die letzten Sichtungen und an die Auswertung der Dokumente. Als kompetenter und erfahrener Erziehungswissenschaftler hat er uns mit seinem Vortrag im Juni schon Einblicke in die Einordnung von Heimerziehung in die Zeitgeschichte gegeben. Von ihm erwarten wir uns soweit wie möglich eine klare Zuordnung der damaligen Geschehnisse, um zu verstehen und abschließen zu können.“

 

Zu den Anerkennungsleistungen:

„Ein Ziel des Aufklärungsprozesses ist es von Beginn an, dass das Leid der Betroffenen anerkannt wird. In der Pressekonferenz am 10.04.2017 hatten wir zugesagt, dass wir das Thema Anerkennungsleistungen in der Auftraggebergruppe noch einmal ansprechen werden. Die Brüdergemeinde hatte sich sodann intern erneut beraten und war zu der Überzeugung gelangt, dass der Richtwert der Anerkennungsleistungen von 5.000 Euro zwar bestehen bleibt, der Höchstbetrag jedoch bei bis zu 20.000 Euro liegen kann. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren sowohl Gespräche mit Beteiligten und Betroffenen, die Orientierung an juristisch vergleichbaren Fällen in Anlehnung an die Empfehlung des runden Tisches sowie unsere moralische Haltung, das Leid der Betroffenen anzuerkennen. Wir sind davon überzeugt, dass die Vergabekommission zeitnah und im Sinne aller Betroffenen verantwortlich handeln wird.“

 

Zum aktuellen Stand der Arbeit der Vergabekommission:

„Der Beginn der Arbeit der Vergabekommission wurde von kritischen Äußerungen und Berichterstattungen begleitet, die ich, Klaus Andersen, als Mitglied der Auftraggebergruppe sowie als Verantwortlicher der Brüdergemeinde inhaltlich nicht teilen kann, ebenso wie die meisten Betroffenen dies auch nicht tun.

So ist es zum Beispiel nicht zutreffend, dass die Vergaberichtlinien nur eine strafrechtlich relevante Bewertung der Geschehnisse zulassen oder die Arbeit der Kommission als solches nicht transparent genug aufgebaut ist.

Der Verzicht auf die namentliche Nennung der Vergabekommissionsmitglieder war eine Entscheidung der Auftraggebergruppe zum Schutz der beteiligten Persönlichkeiten auf deren eigenen Wunsch.

Im Zuge des Rückzugs zweier Mitglieder der Vergabekommission hat sich die Auftraggebergruppe im Rahmen der Sitzung am 14. November darauf geeinigt, die beiden vakanten Positionen zügig neu zu besetzen. Näheres hierzu erfahren Sie von den Moderatoren des Aufklärungsprozesses, nachdem die Vergabekommission neu konstituiert wurde. Im Sinne aller Betroffenen hoffe ich, dass die dann neu besetzte Vergabekommission zeitnah ihre Arbeit aufnehmen und ungestört arbeiten kann.“

 

Zum avisierten Ende der Aufklärung:

„Ziel der Auftraggebergruppe und ebenso das der Evangelischen Brüdergemeinde ist es, dass wir, im Sinne aller Betroffenen, voraussichtlich im Frühjahr 2018 zu einem dokumentierten Abschluss des Aufklärungsprozesses kommen.“

 

Zum Umgang der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Diakonie und der Gemeinde mit dem Aufklärungsprozess:

„Es steht außer Frage, dass die Aufarbeitung noch lange bei allen Beteiligten nachwirken wird, insbesondere in unserer Gemeinde und in unseren diakonischen Einrichtungen, und dass es eines weiterhin offenen Umgangs mit diesem schwierigen Thema bedarf. In diesem Zusammenhang wird es weitere Veranstaltungen, Vorträge und Gespräche geben, die helfen sollen, das Geschehene aufzuarbeiten und zu verarbeiten. Wir sind dankbar, dass sowohl unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Gemeindemitglieder den Weg dieser gemeinsamen Aufklärung mit uns gehen.“

 

Kontakt: Diakonie der Ev. Brüdergemeinde gGmbH, Saalplatz 1, 70825 Korntal-Münchingen, Tel: 0711 83 98 77 0, E-Mail: aufarbeitung@diakonie-bgk.de