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Von: Andy Messner
26.02.2017 10:00

Thema: "Das Schweigen und Fasten."

(Geistliche Übungen für den Alltag) Matthäus 6, 5-7 und 16-17 08/17



Liebe Gemeinde,
ich freue mich, heute die Predigtreihe Geistliche Übungen für den Alltag mit dem Thema Schweigen und Fasten ab-schließen zu dürfen. Um ehrlich zu sein, glaube ich, dass diese beiden geistlichen Übungen zwei Bereiche sind, die in vielen Gemeinden – auch in unserer – in Vergessenheit geraten sind. Umso wichtiger, dass wir uns heute Morgen damit beschäftigen.
Als Jochen Hägele mich bat, über dieses Thema zu sprechen, habe ich mich gefreut. Einfach deshalb, weil wir als Orientierungsjahr damit sehr gute Erfahrungen machen. Mindestens drei Mal im Jahr ist das Fasten bzw. Schweigen fester Bestandteil unseres Kalenders. Im Laufe des Gottesdienstes werden wir daher einen Erfahrungsbericht einer unserer Teilnehmerinnen hören.
Ich möchte in einem ersten ausführlicheren Teil über das Fasten sprechen und in einem etwas kürzeren Teil auf das Schweigen eingehen. Wir wollen uns also zunächst einmal der Notwendigkeit des Fastens, dann die verschiedenen Absichten des Fastens und abschließend die Umsetzung des Fastens betrachten.
Die Notwendigkeit des Fastens
Zunächst einmal Folgendes: Wenn wir über Fasten sprechen, gibt es viel Missverständnisse. Fasten ist keine Übung, die von geistlichen Experten in einem Kloster praktiziert wird. Fasten ist auch nicht etwas, was nur für die Zeit von ATs oder NTs galt. Ebenso wenig geht es beim Fasten darum, abzunehmen, weil man einmal wieder das Gefühl hatte, zu viel auf die Waage gebracht zu haben.
Ich denke, es ist gut, zunächst einmal zu definieren, was Fasten überhaupt ist. Wenn ich Fasten definieren müsste, würde ich sagen: Fasten ist die Enthaltung von Essen für ein geistliches Ziel. Fasten muss immer in der Verbindung mit einem geistlichen Ziel stehen. Und dabei verzichte ich in der Regel auf feste Nahrung, um meine Ernsthaftigkeit und meine Entschlossenheit zum Ausdruck zu bringen.
Fasten zieht sich ja wie eine rote Schnur durch die gesamte Bibel. Von Mose, Elia, über Esra, Daniel zu Hannah, Jesus, Paulus und bis hinein in die Urgemeinde. Da Jesus in der jüdischen Tradition groß geworden ist, kannte er das Fasten. Er selbst gab sein Beispiel, als er nach seiner Taufe vierzig Tage lang fastete. Für ihn – wie später auch für die Urgemeinde – war es selbstverständlich, dass das Fasten genauso zur Nachfolge gehört, wie das Beten.
Als Jesus in Matthäus 6 auf die Bedeutung von Fasten und Beten eingeht, drückt er es so aus: Wenn ihr betet… (V.6+7) und wenn ihr fastet… (V.16+17). Daraus können wir schließen, dass für Jesus Christus es nicht die Frage war, ob ein Nachfolger Jesu fasten sollte, sondern wann. Daher lautet die Frage für einen Christen auch nicht: Soll ich fasten?, sondern: Wann werde ich fasten?
Fasten praktizierte man immer im Einklang mit Gebet. Als Jesus in der eben erwähnten Bergpredigt über das Fasten spricht, sprach er im gleichen Augenblick übers Beten und brachte damit beide Dinge zusammen. Und dabei ist es auffallend, dass es tatsächlich Parallelen zwischen Fasten und Beten gibt.
Wir alle kennen das persönliche, individuelle Gebet, aber gleichzeitig sind die meisten von uns auch mit dem ge-meinschaftlichen Gebet, der Gebetsgemeinschaft, vertraut. Genauso verhält es sich beim Fasten. Auch dort gibt es das persönliche, individuelle Fasten, wie auch das gemeinschaftliche Fasten als Gruppe oder Gemeinde.
Als Gläubige sind uns ebenso zwei Arten des Betens bekannt. Das regelmäßige Gebet zu bestimmten Tageszeiten wie auch das Gebet aus besonderen Anlässen heraus. Dasselbe gilt auch fürs Fasten. Auch hier sollte es etwas Re-gelmäßiges im Leben eines Christen geben, wie eben auch ein Fasten zu besonderen Situationen oder Herausforde-rungen.
Fasten ist also in der Bibel etwas völlig Vertrautes, aber in unserem Persönlichen wie auch im Gemeindeleben etwas Seltenes. Lasst uns einen Schritt weiter gehen und uns fragen, welche Absichten das Fasten hat.
Die Motive des Fastens
Zunächst einmal ist es äußerst wichtig, dass wir ein Ziel bzw. einen Grund haben, warum wir fasten. Ist es vielleicht das Anliegen nach geistlicher Erneuerung, Wegweisung, Heilung, Lösung von Problemen oder schwieriger Situationen? Genau hier möchte das Fasten ansetzen. Denn Fasten – vom altgotischen „Festmachen“ abgeleitet ? will uns helfen, Dinge festzumachen.
Wenn wir in die Schrift hineinschauen, stellen wir fest, dass uns viele gute
Gründe genannt werden, wozu Fasten nützlich ist und was beim Fasten geschieht. Denn Fasten ist zum einen:
Ein biblischer Weg, sich vor Gott zu demütigen
David sagt in Psalm 35,13 (Schlachter, NIV, NAS):
… ich beugte (bzw. demütigte) meine Seele mit Fasten.
An dieser Stelle sollten wir wissen, dass Demut kein Gefühl ist. Demut ist ein Entschluss. Etwas, zu dem ich mich entschließe. Meine Seele, der Sitz meines Ichs, ist aber meist alles andere als bereit sich zu demütigen. Derek Prince stellt daher einmal treffend fest: Fasten ist eine eindrucksvolle Lektion, um zu klären, wer der Meister und wer der Knecht ist. Denken Sie daran (folgert er), Ihr Körper ist ein hervorragender Knecht, aber ein schrecklicher Meister.“
Unsere menschliche Natur strebt immer danach, die Herrschaft zu übernehmen. Genau an dieser Stelle kann aber das Fasten uns helfen, die Frage nach Meister oder Knecht und die Frage nach Geist oder Fleisch neu zu klären. Denn Fasten vermindert die Macht des Ichs, so dass der Heilige Geist intensiver in uns wirken kann.
Beim Fasten bin ich daher herausgefordert, Demut neu für mich zu definieren und zu lernen. Und das ist und bleibt ein Willensakt und ist keine Frage des Gefühls. Wenn ich mich demütige ? das kann durch Fasten geschehen ?, dann verheißt mir Gott, mich zu erheben. In Matthäus 23,12 lesen wir: …wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.
Wir selbst können es also entscheiden. Erhebst du dich … Dann wirst du erniedrigt! Erniedrigst du dich, also demütigst du dich … Dann wirst du erhöht werden!
Ich glaube, dass das Fasten eine Grundlage sein kann, auf der ein Nachfolger Jesu ganz neu Demut erlernen kann.
Eine wunderbare Möglichkeit, sich Gottes Herz zu nähern
Eine andere Absicht des Fastens kann darin liegen, sich Gott neu zu nähern. Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen (Jak 4,8a). Lasst uns das Wort Gottes wörtlich nehmen. Gott naht sich uns, wenn wir uns ihm nähern. Das Fasten kann hier eine wunderbare Möglichkeit sein, mein Herz ganz neu dem Herzen Gottes hinzuwenden. Dabei erkenne ich durch den Heiligen Geist meist meinen wahren geistlichen Zustand, der Zerbrochenheit, Buße und Veränderung zur Folge haben kann.
Der Wunsch das Gottes Wort besser zu verstehen
Den Wunsch, das Gottes Wort besser zu verstehen, kann ein dritter Grund zum Fasten sein. Fasten kann in der Tat uns das Wort Gottes bedeutsamer und lebendiger machen. Manchmal kann es als Prediger hilfreich sein, für eine bestimmte Wortverkündigung zu fasten. Aber auch im privaten, um eine neue Liebe dem Wort Gottes gegenüber zu bekommen.
Die Sehnsucht, Gottes Willen und seine Führung zu erkennen
Ein sehr häufiger Grund, weshalb Menschen – auch ich – fasten, hat mit dem Wunsch zu tun, Gottes Willen und seine konkrete Führung zu erkennen. In Esra 8,21 lesen wir die Anweisung Esras:
Und ich rief dort, am Fluss Ahawa, ein Fasten aus, damit wir uns vor unserem Gott demütigten, um von ihm einen geebneten Weg zu erbitten für uns und für unsere Kinder und für alle unsere Habe.
Meine Erfahrung ist es, dass ein Fasten, wie es Esra von Israel forderte, in der Tat uns hilft Gottes Willen und seine Führung zu erkennen. Darin mache ich persönlich gute Erfahrungen. Ob über berufliche Veränderung, ob bei der bei der Berufung bzw. Einstellung von neuen Mitarbeitern oder auch familiären Herausforderungen kann das Fasten im Einklang mit Gebet eine enorme Hilfe sein!
Eine geistliche Erinnerung, von Jesus abhängig zu leben
Einen letzten Aspekt bei der Frage, was unsere Absicht beim Fasten sein sollte, ist das sich ständig erinnern zu lassen, in der Abhängigkeit Jesu zu stehen. Was meine ich damit?
Schon oft hat mir beim Fasten das immer wiederkehrende Hungergefühl geholfen, mich an meine Abhängigkeit von Jesus zu erinnern. Denn jedes Mal, wenn ich faste und mir mein Magen den Hunger nach Essen signalisiert, darf ich mir die geistliche Frage stellen: Habe ich diesen Hunger auch nach Jesus? Hungert es mich geistlich auch so sehr nach Gemeinschaft mit ihm? Hungert es mich nach seinem Wort in derselben existenziellen Weise? Eine herausfordernde, aber wichtige Übung, wie ich finde.
Die Bibel kennt weitere Gründe, warum man fasten sollte. Da ist das Fasten für Heilung in Matthäus 17,21, oder auch das Fasten für Ungläubige eine weitere Möglichkeit. Grundsätzlich gilt: Unser Motiv für Fasten ist weitaus wichtiger als die Länge des Fastens.
Die Umsetzung des Fastens
Nachdem wir die Notwendigkeit des Fastens und die verschiedenen Motive für das Fasten angesehen haben, wollen wir nun einen Schritt weitergehen und dabei von dem bisher gehörten ableiten und uns fragen, wie ein Fasten nun konkret aussehen kann. Im Folgenden 8 Aspekte, die in meinen Augen für ein erfolgreiches Fasten beachtet werden sollten:
1. Setze dir ein geistliches Ziel
Im ersten Schritt sollten wir uns ein Ziel setzen. Wir sollten uns fragen: Warum faste ich? Suche ich geistliche Erneu-erung, Wegweisung, Heilung, Lösung von Problemen oder die besondere Ausstattung für eine schwierige Situation? Wichtig ist, dass wir ein Ziel, einen Grund haben, weshalb wir fasten. Und diesen müssen wir unbedingt immer im Blick behalten.
Ich glaube, dass durch Fasten und Gebet unsere Seelen bewegt, unsere Gemeinden erweckt und unser Land geheilt werden kann. …und mein Volk, das meinen Namen trägt, dann Reue zeigt, wenn die Menschen zu mir beten und meine Nähe suchen und zu mir zurückkehren, will ich sie im Himmel erhören und ihnen die Sünden vergeben und ihr Land heilen“ (2Chron 7,14). ? Mit diesem Blick, ja mit diesem Ziel zu fasten, legen wir eine großartige Grundlage!
2. Lege ein gereinigtes Fundament
Wenn wir uns vornehmen zu fasten, ist es in meinen Augen notwendig, sich zu Beginn eine Zeit der Buße zu nehmen. Das kann an einem normalen Arbeitstag am frühen Morgen sein oder, wenn man an einem freien Tag fastet, im Laufe des Tages. Aber es ist gerade am Anfang des Fastens wichtig, dass wir den Heilige Geist bitten, unsere Sünde in Erinnerung zu rufen: Unsere weltliche Gesinnung, unsere Ichbezogenheit und geistliche Gleichgültigkeit. An dieser Stelle dürfen wir uns leiten lassen: Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit (1Joh 1,9). Mit der Buße legen wir beim Fasten ein geistliches, ja ein gereinigtes Fundament, auf das sich aufbauen lässt.
3. Nimm dir Zeit für das Wort Gottes und plane fixe Gebetszeiten ein
Die geistlichen Auszeiten während eines Fastentages bzw. während einer Fastenzeit müssen gestaltet werden. Das kommt nicht automatisch, nur weil man fastet. Wer fastet, sollte jeden Morgen, bevor er das Haus verlässt oder sein Tagewerk in Angriff nimmt, Gott im Gebet suchen und über seinem Wort meditieren.
Zeiten, in denen wir normalerweise essen würden, sind hervorragende Zeiten fürs Gebet. Auch am Abend mache ich Mut, erneut vor sein Angesicht zu treten, um ohne Zeitdruck in seiner Gegenwart zu sein. Sich Gottes Gegenwart ganz neu zu öffnen ist etwas Wunderbares!
Egal, ob wir an einem freien Tag oder an einem normalen Arbeitstag fasten. Wichtig ist es, dass wir genügend Zeit mit Jesus alleine haben. Denn je mehr Zeit wir in der Gemeinschaft mit ihm haben, je mehr wir während des Fastens in seinem Worte lesen und darüber meditieren, desto wirksamer wird unser Gebet und desto bedeutungsvoller unser Fasten.
4. Rechne mit geistlichen Kämpfen
Doch wer fastet, muss sich dessen bewusst sein, dass die größte Herausforderung nicht unbedingt der Mangel des Essens ist. Wer fastet, betet und dabei Gott von ganzem Herzen sucht, muss sich vielmehr dessen bewusst sein, dass er Zielscheibe Satans wird. Denn Satan wird alles dransetzen, Fastende, gerade in dieser innigen Phase mit Gott, zu stören. Vielfach überkommen einen Zweifel, Gefühle der Angst oder auch der Einsamkeit.
Immer wieder beenden Menschen auch eine Fastenzeit und sind enttäuscht, weil sie etwas ganz anderes erwartet haben. Doch hier ist Vorsicht geboten. Satan freut sich über nichts mehr als über Nachfolger Jesu, die aus einer Gebets- und Fastenzeit frustriert rausgehen. Die Frage, die wir uns in Momenten wie diesen stellen sollten, lauten: Was wollte ich hören? Waren es evtl. meine Wünsche oder meine Vorstellungen, die ich verwirklicht sehen wollte?
Wenn es beim Fasten tatsächlich zu geistlichen Kämpfen kommt, ermutige
ich, sich ganz bewusst unter das Blut Jesu zu stellen und seinen Sieg zu proklamieren. Darin ist Satan machtlos.
Nun ein paar körperliche Ratschläge:
5. Treffe körperliche Vorbereitungen und suche ggf. ärztlichen Rat
Wer noch selten gefastet hat, sollte zunächst einmal mit einem Tag beginnen. Grundsätzlich sagt man, dass die ersten drei Tage die Schwersten sind. Danach hat sich der Körper schon etwas daran gewöhnt. Ebenso ist es äußerst wichtig, überdurchschnittlich viel Flüssigkeit zu trinken. Aber auch das sei noch erwähnt. Derjenige, der regelmäßig verschriebene Medikamente einnehmen muss, sollte auf alle Fälle zuvor ärztlichen Rat einholen.
6. Schränke deine Aktivitäten ein
Der sechste Schritt beim Fasten betrifft unsere Aktivitäten. Denn diese sollten dem Fasten angepasst werden. Wer fastet, muss sich dessen bewusst sein, dass er körperlich geschwächt ist und nicht alles wie seither möglich ist. ? Ein weiser Ratschlag lautet:
7. Vermeide ein frommes Zur-Schau-stellen
Dass wir fasten, muss nicht alle Welt mitbekommen. Es reicht, wenn vielleicht ein paar Menschen aus unserem Umfeld darum wissen. Doch lasst uns darauf achthaben, dass wir niemals aus dieser geistlichen Übung eine fromme Show machen. Fasten darf niemals zu einem religiösen Akt verkommen, um fromm, frömmer oder am frömmsten zu kategorisieren.
Jesus sagt vielmehr warnend: Wenn ihr fastet, so tut es nicht öffentlich wie die Heuchler, die blass und nachlässig gekleidet herumgehen, damit die Leute sie für ihr Fasten bewundern. Ich versichere euch: Das ist der einzige Lohn, den sie jemals dafür erhalten werden. Wenn du fastest, dann kämme deine Haare und wasche dir das Gesicht. Dann wird niemand auf den Gedanken kommen, dass du fastest, außer deinem Vater, der weiß, was du in aller Stille tust. Und dein Vater, der alle Geheimnisse kennt, wird dich dafür belohnen (Mt 6,16-18). ? Und noch ein letzter Ratschlag:
8. Lebe in einer erwartenden Haltung
Die Auswirkung einer Fastenzeit oder eines Fastentages werden bei zwei
Menschen nie dieselbe sein. Denn jeder Mensch geht mit einem anderen Bedürfnis und anderen Motiven in eine Fastenzeit. Aber was alle Fastenden gemeinsam haben sollten, ist die Erwartung, dass Gott sich als Handelnder erweist. Lasst uns daher große Erwartungen an Gott haben und das praktizieren, was Psalm 37,5 sagt: Befiehl dem HERRN deinen Weg und vertraue auf ihn, so wird er handeln.
Ich möchte meine Predigt nicht abschließen, ohne kurz auch noch auf eine weitere geistliche Übung einzugehen: Das Schweigen. Denn dieses lässt sich ideal (sofern es beruflich möglich ist) mit einem Fastentag verbinden.
Die Übung des Schweigens
In unserer modernen Gesellschaft gibt es nur noch wenige Ort, die sich durch Stille auszeichnen. Manche von uns wissen gar nicht mehr, was Stille ist, weil sie diese niemals erlebt haben. Als Orientierungsjahr ist es uns wichtig, unsere Teilnehmer diese Erfahrung machen zu lassen. Aus diesem Grund planen wir im Ojahr während eines Jahres hin und wieder einen Schweigetag ein. Meist in der Verbindung mit einem Fastentag.
Ehrlich gesagt ist still zu sein für viele eine Herausforderung. Denn viele haben es noch nie erlebt, einen ganzen Tag nichts zu reden, sich auf das Schweigen zu konzentrieren und dabei Ruhe zu erfahren.
Die Erfahrung zu schweigen ist eine ganz besondere. Zum einen beginnt man seine Umwelt anders wahrzunehmen. Plötzlich hört man Dinge, die man zuvor gar nicht mehr wahrgenommen hat. Man lernt Wesentliches vom Unwe-sentlichen zu trennen. Und zum anderen lernen wir dadurch, wieder Anderes zu hören. Denn im Schweigen hört man das, was nicht gesagt wird, und kann den verborgenen Schrei der Seele eines Mitmenschen viel besser wahrnehmen. Das Schweigen ist daher eine wunderbare Übung auch unseren Mitmenschen gegenüber.
Aber auch Gott selbst begegne ich in einer neuen Weise. Und er vielleicht in einer neuen Weise mir. So wie er Elia nicht im angenommenen Feuer, nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, sondern in einem leisen Flüstern begegnet war.
Mutter Teresa sagte einmal: „Gott ist ein Freund der Stille. Schaut euch an, wie die Natur, Bäume, Blumen und Gräser in tiefer Stille wachsen. Schaut euch an, wie sich die Sterne, der Mond und die Sonne in aller Stille bewegen. Je mehr wir in unserem stillen Gebet empfangen, desto mehr können wir unserem aktiven Leben geben.“
Ich bin mir dessen bewusst, dass ein Tag des Schweigens natürlich nicht wie ein Tag des Fastens während eines normalen Arbeitstages möglich ist. Aber Stille auszuhalten, vielleicht gerade in der Verbindung mit einem freien Tag, ist eine wunderbare Möglichkeit dreidimensional neu zu hören und wahrzunehmen: Sich selbst, seine Umwelt und auch Gott!
Die christliche Disziplin der Stille zeichnet sich dadurch aus, dass wir uns auf Jesus Christus ausrichten, unsere Umwelt anders wahrnehmen und obendrein uns selbst finden. Auch wenn Stille auszuhalten, und da will ich ganz ehrlich sein, für mich nicht einfach ist, ist es doch die Stille, in der wir dem Leben eine ganz neue Bedeutung schenken.
Fasten und Schweigen, zwei geistliche Übungen für den Alltag
Liebe Gemeinde, mir war es heute Morgen ein Anliegen, euch zwei geistliche Übungen – das Fasten und Schweigen – ganz neu ans Herz zu legen. Mir war es ebenso ein Anliegen, euch aufzuzeigen, dass biblisches Fasten Aufgabe und Privileg eines Nachfolgers Jesu ist.
Wir haben gesehen, dass wir mit dem Fasten (was fast immer mit dem Gebet einher geht) wir unsere Ernsthaftigkeit und unsere Entschlossenheit über einem Anliegen zum Ausdruck bringen. In Anbetracht dessen, dass wir als Ge-meinde derzeit so massive Herausforderungen haben wie schon lange nicht mehr, frage ich mich, ob es nicht an der Zeit ist, als Gemeinde zu Fasten, um Gottes Reden und seine Wegweisung zu erkennen. Vielleicht ist es an der Zeit, diese geistliche Übung, die die Bibel als etwas Selbstverständliches darlegt, in diesen Tagen ganz neu zu entdecken!
Ich mache euch Mut, im Persönlichen, wie auch im Kontext unseres Gemeindelebens neu das Fasten als ein von Gott gegebenes Geschenk zu entdecken, das es gilt anzuwenden. Amen.

Herausgeber:
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