Von: Benjamin Bär
07.01.2018 09:45

Thema: "Von Mose beten lernen."

2.Mose 33, 12-23 03/18


Liebe Gemeinde,

Gebet – Was empfinden Sie, wenn Sie dieses Wort hören? Langeweile? Pflicht? Vielleicht gar nichts? Oder vielleicht denken Sie an ein Abenteuer? Große Sehnsucht? Ein Ringen? Oder die Zeiten, wo Gott ganz konkret zu Ihnen gesprochen hat?

Heute hören wir von einem Mann, der eher die letzteren Dinge erlebt hat im Gebet. Wir gehen ein paar tausend Jahre zurück in die Wüste von Sinai.

1.      Moses Situation, seine Verzweiflung

Mose ist mit dem Volk Israel am Berg Gottes. Kurz zuvor hat das Volk Gott den Rücken gekehrt und ein goldenes Kalb gemacht, dass sie angebetet hatten. Die Konsequenz war der Tod von 3000 Menschen, da Gott Sünde nicht dulden kann. Mose rang mit Gott, dass er das Volk nicht ganz vernichtet. Schließlich lenkte Gott ein und ließ sie am Leben, doch er sagte ihnen, dass er nicht mit ihnen ins Verheißene Land ziehen würde, sondern nur einen Engel vorausschicken würde.

Versetzen wir uns mal in die Gedankenwelt von Mose. Er ist alleine in der Wolke in der Gott sich verbirgt. Nur seine Gedanken und das Gespräch mit Gott sind seine Begleiter. So oder so ähnlich könnten Moses Gedanken gewesen sein:

Puh….was ist mit diesem Volk! Sie konnten nicht einmal warten bis Gott ihnen die 10 Gebote gegeben hatte, schon mussten sie andere Götter anbeten und sich ein Kalb aus Gold machen. Und dann musste ich zusehen, wie 3000 Menschen aus meinem Volk umgebracht werden mussten, weil sie Gott ungehorsam waren…dann mein Gespräch mit ihm, in dem ich ihn anflehte, das Volk nicht voll zu vernichten… und Gott hat nochmal eingelenkt und hat uns verschont.

Und jetzt wo, das Volk sich vor Gott gedemütigt hat, ihre Sünde bekannt hat, jetzt will Gott uns nicht mehr ins Verheißene Land führen! Er will nur einen Engel vor uns schicken!

Gott, was soll das? Wo bist du? Was ist mit deinen Versprechen? Was ist mit mir? Erst war das Volk untreu, und jetzt bist du auch noch untreu?!

Mose ringt mit Gott in dieser Situation. Wenn man genau hinschaut, kann man drei Bitten erkennen die Mose in diesem Gespräch mit Gott formuliert, und hinter diesen Bitten stehen drei Haltungen, die meines Erachtens für uns wichtig sind, wenn wir beten.

1. Vertrauensvoll Beten: ein Prozess des „Eins-werden“ mit dem Willen Gottes

Die Erste Bitte finden wir in den Versen 12-13:

12 Und Mose sprach zu dem HERRN: Siehe, du sprichst zu mir: Führe das Volk hinauf; aber du lässt mich nicht wissen, wen du mit mir senden willst; und doch hast du gesagt: Ich kenne dich mit Namen, und du hast Gnade gefunden vor meinen Augen. 

13 Wenn ich nun Gnade gefunden habe vor deinen Augen, so lass mich doch deine Wege wissen und dich erkennen, damit ich Gnade finde vor deinen Augen; und bedenke doch, dass dieses Volk dein Volk ist! 

Mose hatte eine intensive Zeit hinter sich. Er geht zu Gott und ringt mit ihm: Wie kann ich wissen, dass du uns nicht verstößt? Und er bittet Gott: „Lass mich doch deine Wege wissen“.

Man spürt bei Mose einerseits sein Vertrauen: „Du hast mir ja Gnade geschenkt“. Andererseits hört man seine tiefe Verunsicherung: „Ist zwischen uns alles klar, Gott? Du hast uns gerade gesagt, dass du nicht mit uns ziehen wirst ins verheißene Land. Aber ursprünglich hast du mir versprochen, dass du mit mir gehst und mich führen wirst mit diesem Volk. Also was ist jetzt los?

Mose beruft sich gerade in seiner Unsicherheit auf Gottes Versprechen und vertraut darauf dass Gottes Wille GUT ist, nur müssen ihm die Augen geöffnet werden.

Bei Moses Berufung, ruft Gott ihn beim Namen: „Mose, Mose“. Mose erinnert Gott daran und dass Gott ihm versprochen hat, mit ihm zu sein.

Gott hatte ihm zudem versprochen, Mose und das Volk an den Berg Sinai zu bringen als Zeichen dafür, dass er es ist, der mit ihm spricht. Und genau das war passiert…

Moses Haltung hinter seiner Bitte ist Vertrauen: Er hat viel mit Gott erlebt, Gott hat ihm Gnade zugesagt und er erinnert Gott an seine Versprechen.

Nur kann er Gottes guten Willen in dieser Situation nicht verstehen und fleht Gott an, ihm diesen zu zeigen. Und jetzt will er für sich und sein Volk einstehen, damit nicht nochmal das passiert was davor war mit dem goldenen Kalb.

Moses Vertrauen war über die Jahre gewachsen, er war Verwoben in den Gedanken und Plänen Gottes. Aber jetzt  war er verunsichert, denn es schien dass Gott seine Pläne plötzlich änderte.

Mose hatte gelernt, dass es nicht um ihn selbst ging. Er wusste, es ging um Gottes großen Plan. Sein Gebet war ein Ringen um Gottes Willen zu erkennen. Ein Ringen mit Gott um sein Volk. Es war ein Prozess des Einswerdens mit Gottes Plänen und Gedanken.

Gebet ist -unter anderem- ein Prozess des Einswerdens mit dem guten Willen Gottes und ein Ausdruck des Vertrauens. 

Meine Frau und ich sind erst vor kurzem nach Korntal gezogen. Meine Einstellung war anfangs: Ok, Studium hinter mir, jetzt kann es losgehen! Wo kann ich in der Gemeinde anpacken?!“

Aber über mehrere Tage an denen ich krank war und somit einige Veranstaltungen in der Gemeinde verpasst habe, war es wie wenn Gott sagte: „Stopp Benjie. Ich will nicht, dass du ganz viel tust. Ich will, dass du lernst für deine Gemeinde zu beten. Bete für die Brüder. Bete für die, die Verantwortung tragen. Bete, dass du die richtige Einstellung hast zur Gemeinde. Bete um Jesu Ehre in der Gemeinde.

Als ich damit begann, veränderte sich auch mein Blick auf die Gemeinde und ich durfte sehen, wie viel Gott schon tut hier in der Brüdergemeinde! Ich selber bin im Prozess zu lernen, für das zu beten, was Gott vorhat. Deswegen auch die Beschäftigung mit diesem Text.

Wie ist deine Haltung im Gebet?

Bist du so verwoben mit Gedanken vom Reich Gottes, du dich wunderst wenn die Dinge nicht so passieren wie Gott es verheißen hat? Ringen wir mit Gott um seinen Willen in unserem Leben, im Leben unserer Familien, im Leben der Gemeinde oder machen wir unser Ding und hoffen dass er UNSERE Wege segnet? Erinnern wir Gott noch an seine Verheißungen und an seine Ehre über der Gemeinde?

Lasst uns neu um Gottes Willen für seine Gemeinde ringen! Ich glaube die bevorstehende Allianz Gebetswoche ist so eine Chance, vertrauensvoll mit Gott zu ringen um seine Gemeinde, dieses Land, und dass sein Reich kommt!

2. Abhängig beten: Wir brauchen Gottes Gegenwart!

Mose ringt weiter mit Gott:

14 Und Er (Gott) sprach: Soll ich selbst mitgehen und dich zur Ruhe führen?

15 Er sprach zu ihm: Wenn du nicht selbst mitgehst, so führe uns nicht von hier hinauf!

16 Denn woran soll denn erkannt werden, dass ich Gnade gefunden habe vor deinen Augen, ich und dein Volk, als daran, dass du mit uns gehst, sodass ich und dein Volk ausgezeichnet werden vor jedem Volk, das auf dem Erdboden ist?

17 Und der HERR sprach zu Mose: Auch dies, was du jetzt gesagt hast, will ich tun; denn du hast Gnade gefunden vor meinen Augen, und ich kenne dich mit Namen!

Gott fragt Mose: Soll ich selbst mitgehen und dich zur Ruhe führen?“- Es ist wie wenn Gott sicher gehen will, dass Mose und das Volk ihn WIRKLICH brauchen und wollen. Und Mose antwortet: „Wenn du nicht mitgehst, dann wollen wir nicht gehen!“ Er weiß um die unbedingte Notwendigkeit von der Gegenwart Gottes für das Volk.

Das ist ein spannendes Gebet und drückt wieder aus, wie abhängig sich Mose von Gott weiß.

Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht aufgefallen, wie oft das Wort „Gnade“ in dem Text vorkommt: 7 Mal. Ohne Gottes Gnade – seinen wohlwollenden Schritt auf Mose zu – könnte er gar nicht ins Gespräch mit ihm gehen. Er weiß, dass selbst das Gespräch von Gott ermöglicht werden muss. Ich denke auch für uns ist es immer wieder wichtig zu wissen: Gott hat uns im Gebet etwas großartiges geschenkt – deshalb ist es Gnade!

Übrigens ist beten ja nicht nur exklusiv wir Christen. Auch Menschen aus anderen Religionen beten. Aber was besonders am christlichen Gebet ist: Wir haben es mit einem Gott zu tun, der hört und einen guten Plan hat den er mit uns teilen will wenn wir uns danach ausstrecken. Das ist Gnade!

Moses Haltung ist Abhängigkeit von Gottes Gegenwart.

Aber warum ist die Gegenwart Gottes so wichtig für Mose?

Mose hatte gesehen was passiert, wenn das Volk sich selbst überlassen bleibt. Er hat ihr Potenzial zur Sünde, zur Rebellion gegen Gott gesehen. Das Ende vom Lied war der Tod von 3000 Menschen. Mose ist sich der Schwäche des Volkes aber auch seiner eigenen Schwäche bewusst. Das führte ihn zur Abhängigkeit von Gott.

Ein persönliches Beispiel: Ich merke immer wieder, wie anfällig ich für stolze Gedanken bin. Und schnell beginne ich mit dem Richten von anderen.

Vor kurzem war ich bei einem Hauskreisabend in der Gemeinde. Wir hatten eine Gebetszeit in kleinen Gruppen und ich schaute zwischen durch mal auf und sah eine andere Gruppe die „nur“ miteinander redete. Ich sah ein Person, die ich kannte und dachte: „Die hat früher auch mehr Leidenschaft für Gott gehabt und gebetet!“.

Später war ich im Gespräch mit dieser Person und ich merkte schnell, wie diese Leidenschaft für Gott und das Gebet immer noch, oder vielleicht sogar stärker war als zur Zeit, in der ich diese Person besser kannte. Wie schnell hatte ich geurteilt!

Und genau dieses führt mir Gott immer wieder vor Augen und ich merke: Vater, ich brauche dich!!!

Wenn wir unsere eigene Schwachheit, unsere Fähigkeit Böses zu tun erkennen, dann erkennen wir, wie sehr wir Gottes Eingreifen brauchen.

Aber Mose weiß auch, dass die Abhängigkeit von Gottes Gegenwart das Volk „hervorheben“ würde von den anderen Völkern. Gottes Gegenwart war das Erkennungsmerkmal des Volkes Israel. Gott hatte sich dem Volk Israel gezeigt und war in dem Volk besonders gegenwärtig. Das sollten andere Völker sehen.

Gott ist auch in der Gemeinde Jesu durch seinen Heiligen Geist anwesend und wirkt unter uns. Das zeichnet uns von anderen Menschen aus. Was für eine Verheißung die wir in Christus haben!

Und wissen wir, wie besonders es ist, wenn Gottes Gegenwart uns als seine Gemeinde auszeichnet? Und lassen wir ihm auch genug Raum in unserer Gemeinde?

Wissen wir, wie abhängig wir von Gott sind – im persönlichen, aber auch in der Gemeinde?

Wie erlebst du die Abhängigkeit von Gott im Alltag?

Lebst du in dem Bewusstsein deiner eigenen Schwäche?

Ringen wir um die Abhängigkeit von Gott in unserer Gemeinde?

3.     Sehnsuchtsvoll beten: Weil Gott uns erfüllen kann! 

Mose formuliert eine letzte Bitte in V 18-23:

18 Er (Mose) aber antwortete: So lass mich doch deine Herrlichkeit sehen! 19 Und [der HERR] sprach: Ich will alle meine Güte vor deinem Angesicht vorüberziehen lassen und will den Namen des HERRN vor dir ausrufen. Und wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich. 

Dieser Textabschnitt, bis Vers 23 ist atemberaubend. Man könnte eine ganze Predigt, oder vielleicht mehrere Predigten darüber halten. Ich kann leider nicht auf die Details eingehen. Aber auf eine Haltung hinter Moses Bitte möchte ich hinweisen.

Mose hat darum gebeten, Gottes Willen zu erkennen. Er hat mit Gott gerungen, dass er mitgeht und schließlich bittet er Gott selbst: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen“. Mose hat so eine Sehnsucht nach Gott. Er will nichts anderes als ihn besser zu erkennen.

Es ist wie ein seufzender Schrei der Sehnsucht: LASS MICH DEINE HERRLICHKEIT SEHEN!

Mose will Gott sehen, erleben, seine Güte, Macht, Liebe am eigenen Leibe erfahren. Diese Sehnsucht kommt nicht von ungefähr. Wir Menschen waren einmal von der Herrlichkeit Gottes erfüllt – damals im Garten Eden, noch bevor die ersten Menschen Adam und Eva sich entschieden, ihre eigene Herrlichkeit zu suchen. Da verloren sie und auch wir die Güte, Schönheit und Herrlichkeit Gottes. Es heißt in Röm 6,23: Denn alle Menschen haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren.

Vielleicht ist es diesen Verlust den Mose hier spürt. Er weiß, dass es mehr gibt, dass Gott so viel weiter, größer, tiefer ist als er es sich je vorstellen könnte. Und seine Seele sehnt sich nach dem was einmal war und was werden kann. Kennst du diese Sehnsucht auch?

Gott will den Menschen diese Herrlichkeit zurückgeben. Wie macht er das? Er ließ seinen Sohn Jesus in die Welt kommen und schenkt uns in ihm seine Herrlichkeit.

In Johannes 1,14 heißt es: Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns; und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.

Das „Wort“ bedeutet hier Jesus. Jesus ist der Inbegriff von der Herrlichkeit Gottes. Durch den Glauben an Jesus begeben wir uns auf dem Weg, die Herrlichkeit die wir verloren haben, wieder zu entdecken.

Aber als Christ erleben wir diese Herrlichkeit noch nicht vollständig. Wir haben schon etwas davon geschmeckt, aber die volle Herrlichkeit Gottes wird erst in der neuen ewigen Welt sichtbar, wenn wir Gottes Herrlichkeit mit unseren wirklichen Augen sehen werden. Da freue ich mich drauf!

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hatte ich meine Schicht im Altenzentrum gehabt, kam nach Hause und war recht müde. Nach einem verspäteten Mittagsschlaf war ich irgendwie „aus der Bahn“—müde und lustlos. Zuerst schaute ich noch etwas einen Film, aber ich war danach innerlich leer und unzufrieden.

Daraufhin spürte ich den Wunsch einen Spaziergang zu machen. Als ich dann durch Korntal lief und den schönen Sonnenuntergang am Himmel beobachtete, fragte ich mich, was der Grund dieses Lebens ist, wie schnell doch alles vergeht… und gleichzeitig wusste ich um Gottes Gegenwart, konnte seine Herrlichkeit am Himmel sehen, und hatte so eine Sehnsucht nach ihm und nach der neuen Welt, die er einmal bringen wird.

Ich glaube das sind die Sehnsuchtsmomente – ähnlich wie Mose es hatte – die Gott aus uns hervorholen möchte.

Doch viel zu oft bin ich auf „Schaffer-Modus“ oder füll mein Leben mit ganz vielen Dingen.

Ich möchte dieser Sehnsucht nach Gottes Herrlichkeit Raum geben, gegen den gesellschaftlichen Erwartungen, immer was schaffen zu müssen?

Es gibt ein Gebetshaus in Augsburg, da wird 24 Stunden am Tag gebetet. Durchgängig von verschiedenen Menschen. Und ein Grundsatz, den sie dort haben ist: Wir beten Gott an, weil Gott es wert ist.

Nicht weil er uns ganz viel geben kann, oder weil wir etwas von ihm brauchen. Gott ist es einfach wert, dass wir ihn anbeten.

Das möchte ich vielmehr lernen umzusetzen. Bist du dabei?

Deshalb lasst uns

-          Vertrauensvoll beten und somit Einswerden mit Gottes Plänen

-          Abhängig beten, weil wir wissen wie nötig wir Gottes Gegenwart haben

-          Sehnsuchtsvoll beten, weil Gott uns begegnen will!

Amen.

 

 

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