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Von: Joachim Pomrehn
27.05.2018 09:45

Thema: "Gottes Treue kann man sehen."

Psalm 146


Liebe Gemeinde,

Psalm 146,1 Halleluja!

Das ist wohl der am meisten bekannte Aufruf, Befehl und Appell in der Bibel: Lobet Gott! So öffnet sich uns unser Psalm und so entlässt er uns auch wieder in den Alltag. Mit dem Aufruf an uns, Gott zu loben. Dazwischen nun ereignet sich einiges:

Lobe den HERRN, meine Seele!

Wie eine Antwort darauf gibt hier der betende Mensch den Befehl an seine Seele weiter und diese antwortet mit einer großen Entscheidung:

2 Loben will ich den HERRN, solange ich lebe, will singen meinem Gott, solange ich da bin.

Wie lange will ich Gott loben? Solange es mir gut geht? Solange, wie ich es muss? Solange, bis ich keine Lust mehr habe? Solange wie es mir etwas bringt? Solange, wie ich Zeit übrighabe? Solange, bis mir nichts mehr einfällt? Solange, bis diese Phase im Leben vorbei ist? Solange, bis ich begriffen habe, dass es im Grunde nichts zu loben gibt, weil sich ja doch nichts ändert?

Nein. Gott, den Herrn, loben, solange wie ich lebe, singen, solange ich da bin. Lebenslang nicht nur lernen, sondern vor allem Gott loben und ihm singen. Life long learning heißt es zu Recht. Aber life long praising ist noch besser.

Doch hinter diesem Entschluss, ein Leben lang Gott zu loben und zu singen, steht eine ausgereifte Erfahrung mit Gott. Und zwar mit Gott als dem Herrn. Jahwe heißt es da. Denkt an Mose. Gott hat sich ihm als Jahwe offenbart. Das heißt im Grunde: Mose, ich werde dir zeigen, wer ich bin und was ich vermag, wenn du mit mir deinen Lebensweg gehst und deine Berufung lebst. Und er ist bis heute der Gott, der sich in deinem Leben mit ihm (aber nur so) als ein wunderbarer Herr zeigt.

Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ich nur an Gott glaube, oder ob ich ihn auch über mein Leben herrschen lasse. Es gilt heute immer noch, was Dietrich Bonhoeffer einst über die Christenheit sagte. Sie besteht aus denen, die Jesus nachfolgen, und denen, die das nicht tun. Und dieser Psalm ruft uns erneut in diese große Entscheidung. Eine liebevolle, gründlich durchdachte und begründete Einladung. Mach ganze Sache mit deinem Gott. Lass ihn nicht nur da sein, lass ihn dein Leben bestimmen. Ich werde Gott nur dann mein ganzes Leben lang loben können, wenn er auch mein Herr werden darf, der in meinem Leben das erste und letzte Wort bekommt. An den ich nicht nur glaube, sondern dem ich auch gehorche. Den ich nicht nur anbete, sondern dessen Willen ich unbedingt tue. Der betende Mensch hier hat diese Entscheidung offensichtlich längst getroffen und wendet sich nun an dich und mich mit einer ganz tiefgründigen Aufklärung, die unser tiefstes menschliches Bedürfnis berührt. Das ist die Frage nach der Verlässlichkeit und Sicherheit für mein Leben:

3 Verlasst euch nicht auf Fürsten, auf einen Menschen, der nicht retten kann. 4 Entflieht sein Atem, kehrt er zurück zur Erde. An jenem Tag ist es aus mit seinen Plänen.

Die Fürsten von damals, das sind heute die scheinbar Großen in dieser Welt in Politik und Wirtschaft, die Macht haben, zu verändern, oder es zu lassen. Die Macht haben, Gutes zu veranlassen und zu fördern. Die dem Gemeinwohl dienen müssen. Es sind die Menschen gemeint, die damit beauftragt sind, Macht gerecht und weise auszuüben.

Aber macht euch nichts vor, sagt der betende Mensch hier zu uns. Das sind alle „Adams-Kinder“. Nachfahren eines Menschen, dem es leider nicht gelungen ist, die Gemeinschaft mit Gott durchzuhalten. Das sind nur Menschen, die nicht besser und schlechter sind als du auch. Sie können dir die tiefste Sicherheit, das wichtigste im Leben, nicht geben. Du kannst dich nicht auf sie verlassen. Das sagt mehr, als nur Du kannst dein Leben nicht auf sie und ihre Versprechen aufbauen. Glaube nicht an sie. Das sind nur Menschen. Glaube nicht an den Menschen. Denn selbst wenn sie gut sind, sie müssen sterben, dürfen nicht ewig leben. Sie müssen, wie wir auch, wieder zu Erde werden, und spätestens dann ist es vorbei mit dem, was sie Gutes tun konnten oder wollten. Sie können nicht retten. Da steht ein Wort im Hebräischen, von dem der Name Jesus abgeleitet ist. Jesus heißt Retter. Menschen können nicht das für dich tun, was Jesus kann. Hier klingt laut durch, was Jesus einst seinen Jüngern ganz massiv klar machen musste: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt Schaden an seiner Seele?“ Dieser Schaden ist irreparabel. Was hilft es dir denn, wenn du dein Leben auf die Sicherheiten dieser Welt gründest, dich darauf verlässt und dein Lebensgefühl der Sicherheit darauf baust, aber deine innere Berufung nicht weißt und nicht lebst?

Du wirst alles verlieren.

Mit diesem großen Willensentschluss, Gott zu loben, sind also lebenswichtige Unterscheidungen und lebenswichtige Entscheidungen verbunden. Gott loben und ihm Lieder singen findet mitten im Drama des Lebens statt. Mitten in den dramatischen Lebenserfahrungen und Lebenslagen der unbeschreiblichen Höhen mit ihren Freuden, die es gibt, und den schrecklichen Tiefen, die es gibt mit ihren Ängsten und ihrer Verzweiflung darin. Ein Grundbedürfnis jedes Menschen ist es, eine Verlässlichkeit zu haben, etwas, worauf sich das lebensnotwendige Gefühl von Sicherheit und Lebensmut stützen kann. Und immer und immer wieder kommen die Psalmen auf dieses Problem zurück. Auf wen ist wirklich Verlass? Auf wen oder was kann ich mein Leben aufbauen?

5 Selig, wer Jakobs Gott zum Helfer hat, wer seine Hoffnung auf den Herrn, seinen Gott, setzt.

Eine wunderbar liebevolle Einladung, dieses „Selig ist“. Keine Drohung, kein Zwang, keine Strafankündigung, sondern, ein „Sieh doch mal, wie glücklich du sein wirst, wenn du nicht nur deinen Gott hast, sondern auch deine Hoffnung auf ihn setzt.“ Ja, und welchen Gott? Nun, den von Jakob. Warum der Hinweis hier auf Jakob? Was war das grundlegende Merkmal der Beziehung zwischen Jakob und Gott? Das Fundament der Beziehung war die grundlose Erwählung Jakobs durch Gott. Paulus, sehr zum Ärger des Humanismus, gibt der Freiheit Gottes in seiner Gnade und seinem Handeln den absoluten Vorzug vor jedem menschlich Verstehbaren im Handeln Gottes. Gott hat Jakob erwählt und Esau nicht. Punkt. Da gibt es keine Erklärung, außer dem eigenen freien Willen Gottes. Und nun kommt es. Diese Erwählung, dieser Wille Gottes hat auch dich getroffen. Denn in Jesus kann jeder Mensch endlich zum Freund Gottes werden. Gott will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

6 Er hat Himmel und Erde geschaffen, das Meer und alles, was darin lebt; er hält die Treue auf ewig.

Schöpferkraft und Treue. Die Macht, ein Neues zu schaffen in dir! Durch die Kraft der Erlösung. Der neue Mensch in uns. Gott ruft dem, was nicht ist, dass es sei. Gott ruft in die Existenz des Glaubens. Eine Machttat Gottes ist das, dass du ihm vertrauen und gehorchen kannst. Seiner Treue zu uns verdanken wir alles. Den Glauben, das ewige Leben, die Kraft, hier seinen Willen zu tun. Alles verdanken wir seiner Treue, die unsere bei weitem übertrifft. Und diese Treue Gottes ist sichtbar und erfahrbar in drei großen Handlungsfeldern:

Das Feld der Freiheit - Dass Gott befreit

Das Feld der Wahrheit - Dass Gott Wahrheit gibt

Das Feld der Bewahrung - Dass Gott schützt

7 Recht schafft er den Unterdrückten, den Hungernden gibt er Brot; der Herr befreit die Gefangenen.

Freiheit

Endlich frei sein von der Unterdrückung durch die Sünde und frei sein, seinen Willen zu tun. Das ist eine Machttat Gottes. Und Gott will das nicht nur einmal sozusagen nur zeichenhaft hier und da tun, sondern jedem von uns eine Befreiung schenken, die es uns ermöglicht, seinen Willen zu tun. Ist Unfreiheit kein Thema unter uns? Gefangenschaft in falschen Gottesbildern? Hunger nach echtem Leben? Unterdrückung durch lügenhafte Vorstellungen über mich selbst? Sind wir in der Freiheit des Geistes Gottes angekommen?

Gottes Macht ist nicht zu Ende. Das ganze große Werk der Veränderung in sein Bild, das Bild Jesu, das Gott in uns begonnen hat, ist auch ein Werk der Befreiung, der Sättigung, dass er uns hilft, zu unserem Recht zu kommen, tatsächlich Gottes Kinder zu sein.

Können wir einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen die Freiheit, wie sie im Sinne Gottes ist, erleben können?

8 Der Herr öffnet die Augen der Blinden, der Herr richtet auf die Gebeugten, der Herr liebt die Gerechten.

Endlich die Wahrheit hören und sehen

Endlich Licht. Endlich erkennen, worauf es wirklich ankommt. Endlich umkehren können, neu anfangen. Endlich raus aus der Finsternis, aus der Gewaltherrschaft des Teufels ausbrechen können. Endlich die Last der Schuld abwerfen dürfen. Endlich sich aufrichten und geradestehen dürfen. Gottes Liebe erfahren, wenn wir tatsächlich nicht auf uns und andere Menschen vertrauen, sondern auf ihn.

In der Apostelgeschichte lesen wir, dass das der Auftrag Jesu für Paulus war, den Heiden die Augen zu öffnen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht, von der Gewalt des Satans zu Gott.

Können wir einen Beitrag dazu leisten, dass Menschen aus der Finsternis ins Licht kommen können, dass ihnen die Augen geöffnet werden, sie ihre Schuld los werden können, sich wiederaufrichten können?

9 Der Herr beschützt die Fremden, die Waisen und Witwen stützt er, doch den Weg der Frevler lenkt er in die Irre.

Schützen und Stützen

Endlich Hilfe, Schutz und Unterstützung. Schutzlosigkeit ist eine furchtbare Lage. Hilflosigkeit und Abhängigkeit von der Gunst der Menschen ist wirklich eine schlimme Erfahrung. Witwen und Waisen sind in Gottes Augen eines besonderen Schutzes wert. Sie stehen für die Schwachen in einer Gemeinschaft, die sich selber noch nicht oder nicht mehr schützen und alleine nicht durchs Leben kommen können. Ihre Hilflosigkeit ist in Gottes Augen eine ernsthafte Sache. Wer sich an Schwachen vergreift, auch wenn das nie herauskommt, dessen ewige Verdammnis ist sicher. So warnt Jesus in Matthäus 18, als er von der Schutzbedürftigkeit der „Kleinen“ spricht. Und so kommt auch an dieser Stelle hier sogleich die Warnung, dass Gott selber denen, die ihre Schuld nicht erkennen wollen, ein gewaltiges Scheitern vorbereitet.

10 König ist der Herr auf ewig, dein Gott, o Zion, durch alle Geschlechter.

Allein schon mit diesen drei großen Taten, wie Befreiung des Menschen, Wahrheit für die Menschen und Schutz für schwache Menschen lässt sich Gottes überlegenes Königtum beschreiben. Das erklärt auch, dass keine menschliche Herrschaft auf Dauer bestehen kann. Sie ist immer zu sehr verunreinigt durch Unfreiheit, Lüge und Machtmissbrauch. Es wird der Tag kommen, an dem Gott durch Jesus Christus dieses sein Königtum auf der ganzen Erde und über alle Völker dieser Welt aufrichten wird. Die biblischen Prophetien beschreiben das sehr detailliert. Bis dahin aber sind wir als Gemeinde Jesu der Ort, an dem seine Herrschaft wohl zuerst sichtbar werden muss. Unter uns darf und muss es diese Befreiungen geben. Wo, wenn nicht unter uns, darf und muss es Wahrheit geben. Und unter uns dürfen und müssen Schwache sicher sein.

In all dem wird ein Geheimnis und eine große Aufgabe deutlich. Das Geheimnis ist, dass Gott das Brot, das er dem Hungrigen gibt, nicht selber backen wird, sondern dass es letztendlich dein Brot ist, das du mit dem Hungrigen teilen sollst. Damit will gesagt sein, dass Gott in all dem, bei allem, was er tut, nicht unbedingt vollkommen allein handeln will. Wir dürfen seine Mitarbeiter werden.

Lasst uns doch, wie bei dem Missionsauftrag auch, zu Hause in Korntal bei uns selber damit anfangen. Unter uns soll es keinen Hunger, keine Unterdrückung, keine Gefangenschaften geben. Unter uns soll es keine Blindheit, keine gebeugten Menschen und keine Liebe zur Ungerechtigkeit geben. Unter uns soll niemand, kein Fremder, kein hilfsbedürftiger Mensch, kein Kind ohne Schutz und Stütze sein.

Wir können alle unseren Beitrag dazu leisten, dass Gottes Freiheit, seine Wahrheit, Schutz und Hilfe von uns ausgehen. Gott hat dazu Gaben gegeben. Das sind die natürlichen Begabungen und Fähigkeiten und die übernatürlichen Gaben, die wir bekommen, wenn der Geist Gottes in uns wohnen darf.

Dann ist Gott wirklich König über uns. Dann dürfen wir mit fester Stimme sagen: Halleluja! Lobt Gott, den Herrn!

Amen.

 

 

 

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