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Von: Pfr. Jochen Hägele
03.06.2018 09:45

Thema: "Die Vergangenheit gehört zum Leben."

Die Lebensgeschichte von Jakob


Liebe Gemeinde,

Stell dich deiner Vergangenheit!“ – wir haben die Überschrift für diesen Gottesdienst und die Predigt heute sehr bewusst gewählt. Die beiden Gottesdienste – heute und in einer Woche – haben eine ganz besondere Bedeutung. Denn am kommenden Donnerstag (7.6.18) wird der Bericht der unabhängigen Aufklärer über die Missbrauchsfälle in unseren Kinderheimen der Öffentlichkeit vorgelegt.

Es sind bewegende und schwere Tage: für uns Verantwortliche, für unsere ganze Gemeinde, für die, die damals und die, die heute in unseren Heimen mitarbeiten. Dessen sind wir uns bewusst. Vor allem aber für diejenigen, die mit ihren persönlichen Gesprächen und Interviews diesen Bericht inhaltlich erst ermöglichten.

Darum macht es umso mehr Sinn, dass wir in solch bewegenden Zeiten Gottes Wort hören. Zum einen im Blick auf die Missbrauchsfälle in unseren Heimen. Aber vielleicht bringen etliche von uns heute Morgen auch noch eine ganz persönliche Lebensgeschichte mit. Es gibt noch so viele andere Vergangenheitserlebnisse und -prägungen, die sich auf das Leben belastend auswirken.

In all dem kann uns Jakob ein guter Gesprächspartner werden. Vielleicht so, wie der Liedermacher Manfred Siebald es notiert hat: 

„Mein lieber Jakob, komm setz dich her, und lass uns mal so tun, als ob das möglich wär´. Und ich will dir erzählen wie es mir so geht, denn ich bin ganz gewiss, dass Jakob mich versteht.“

Die Vergangenheit gehört zum Leben. Manchmal wollen wir sie jedoch lieber ausblenden. Und doch bekommen wir unsere Vergangenheit nicht los. Sie ist und bleibt ein Teil von uns.

Das Schöne halten wir gerne fest. Wir waren mit der Gemeindefreizeit die letzten 7 Tage in Kroatien und haben dort herrliche Tage erlebt. Diese Erlebnisse werden uns als wunderbare Erfahrungen noch lange begleiten. Bilder davon bleiben im Kopf.

Aber dann sind da auch die ganz anderen Erlebnisse im Leben. Schwere Tage, Ballast für den weiteren Weg. Diese Erfahrungen lassen sich nicht einfach ablegen, wie ein Rucksack nach einer anstrengenden Wanderung, so dass man befreit und unbelastet in eine neue Wegstrecke und Lebensphase einbiegen könnte. Oft bleibt mehr zurück, als wir ahnen. Und das ein Leben lang. In Gesprächen mit ehemaligen Heimkindern ist mir dies aufgegangen. Ein Übergriff – ob körperlicher oder geistlicher oder seelischer Art – ist ein Eingriff, der tief geht. Von dieser schweren Grenzverletzung der Persönlichkeit bleibt etwas zurück. Wie ein Stempelabdruck in der Seele tragen die Opfer von damals ihre schmerzlichen Verletzungen mit sich. Manche kommen leichter damit zurecht, andere nie. Wieder andere schließen Erlittenes innerlich weg – doch irgendwann kommt das Verdrängte mit Macht an die Oberfläche.

Und die andere Seite muss auch genannt und festgehalten werden. Es gibt auch ehemalige Mitarbeiter in unseren Kinderheimen, die einen intensiven Prägeabdruck aus der Vergangenheit ihres Dienstes mitbringen. Sie haben sich in Liebe intensiv verschenkt und viel investiert in die Kinder ihrer Gruppe, die mit allerlei Defiziten ins Heim eingewiesen wurden. Diese treuen, zuweilen selbstlosen Mitarbeiter tragen schwer, weil ihre Arbeit und ihr hoher Einsatz pauschal übergangen wird.

Ich gestehe es ganz offen: Ich bin immer neu Lernender. Wir dürfen nicht das Eine mit dem Anderen aufrechnen. Das Gute kann das Böse nicht vermindern. Und das Böse darf das Gute nicht überdecken. Wenn wir uns in diesem Gottesdienst mit den Lasten aus unserer Heimerziehung in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigen, dann möchte ich im Voraus und deutlich sagen: Wir wissen um die Leistungen und das Herzblut, das viele Mitarbeiter in unseren Kinderheimen eingebracht haben. Wir Verantwortlichen nehmen die Vorwürfe, mit denen wir konfrontiert sind, sehr ernst. Aber wir haben auch genug Zeugnisse für viel Gutes, das Kinder in unseren Heimen erlebt haben. Dafür sind wir ihnen dankbar.

Wir wissen um beides: schlimmes Leid, das Kindern zugefügt wurde, aber auch dankbare Prägungen, die sich beispielsweise in der Aussage niederschlagen: „Ohne Korntal wäre ich im Leben nicht das geworden, was ich heute bin.“

Liebe Gemeinde, gelingt es uns beides im Blick und im Herzen zu halten? Und entgehen wir der Gefahr das eine gegen das andere aufzurechnen? Denn das würde alle Betroffenen beschädigen. Es würde die, die Schweres erlitten haben, noch einmal tief verletzen. Und es würde denen, die sich im Dienst an den Kindern im Guten verschenkt haben, zutiefst verstören.

Wer weiß, vielleicht kommen später noch Tage, an denen das Gute, das zweifellos auch in unseren Kinderheimen geschehen ist, notiert und dankbar festgehalten wird. Davon soll nichts vergessen werden. Heute aber geht es um die Lasten und Leiden von Kindern in unseren Häusern. Und diese Erfahrungen müssen wir achtsam und mitfühlend hören und den Betroffenen demütig begegnen.

Noch manches andere habe ich in den vergangenen intensiven Monaten und Jahren gelernt: Leiderfahrungen gehen ein Leben lang mit. Und ich, der ich seelsorgerlich zuhörend daneben stehe, will nicht den Fehler machen, zu widersprechen, als ob das doch längst vorbei wäre. Nein: wer ein Trauma erlebt hat, der ist fürs Leben traumatisiert. So lehren uns die Fachleute.

Wie kann man dann mit solchen schweren und bleibenden Lebenslasten weiterleben? Und wie können wir als verantwortliche Gemeinde recht würdigen und helfen, dass Leidtragende weiterkommen?

Wir wollen in diesem Gottesdienst Antwortversuche wagen, wissend, dass dies nur Versuche und einzelne Hilfestellungen sein können. Für diese Antwortversuche hilft uns Gottes Wort, konkret jene bewegende Beziehungsgeschichte der beiden Brüder Jakob und Esau.

Ich stelle ihnen die beiden mit ihrer Geschichte kurz vor. Jakob war der jüngere Zwillingsbruder von Esau. Ihre Eltern hießen Issak und Rebekka. Als der ergraute Vater Isaak spürte, dass sein Leben zu Ende ging, wollte er – ganz der geistlichen Praxis entsprechen – seinen älteren Sohn segnen. Dieser besondere Sterbe- und Abschiedssegen war exklusiv dem ältesten Sohn in der Familie vorbehalten. Dieser Segen beinhaltete auch das ganze Gewicht der letzten Worte in Leben eines Menschen. Er ist damit ein Vermächtnis, ja das Testament, das den ältesten Sohn besonders in die Familienlinie einbindet. Dieser Segen ist einmalig, nicht wiederholbar und nicht austauschbar. 

Nun gebührt dem älteren der Zwillinge, also Esau, dieser Segen. Er soll in der Verheißungnachfolge stehen.

In 1.Mose 27 wird erzählt: Der alte, fast erblindete Vater Isaak ruft seinen Sohn Esau zu sich und bittet ihn ein festliches Mahl zubereiten. In dessen Verlauf will Isaak seinen Esau segnen und so Gottes Zuwendung auf sein weiteres Leben legen. Esau war Jäger und machte sich gleich auf den Weg ein Wildbret für den Vater zu richten. Die Mutter Rebekka bevorzugte jedoch schon immer den Zweitgeborenen Jakob. Darum hilft sie ihm schnell ein Essen zu kochen und arrangiert alles, damit der Vater nichtsahnend den falschen, den Jüngeren, segnet. Und dies in der kurzen Zeit, bis Esau wieder zurück ist.

Mit diesem Segen wird das ganze weitere Leben unter ein himmlisches Vorzeichen der Zuwendung gestellt. Der Wortlaut des Segens verrät uns viel: 

Da roch Issak den Geruch seiner (Jakobs) Kleider und segnete ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Feldes, das der HERR gesegnet hat. 
28 Gott gebe dir vom Tau des Himmels und von der Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle 29 Völker sollen dir dienen, und Stämme sollen dir zu Füßen fallen. Sei ein Herr über deine Brüder, und deiner Mutter Söhne sollen dir zu Füßen fallen. Verflucht sei, wer dir flucht; gesegnet sei, wer dich segnet! (1. Mose 27,27-29)

Als später der ältere Sohn Esau ins Zimmer kommt um über sich den Segen des Vaters zu hören, ist Jakob, der Betrüger bereits als Gesegneter weitergezogen. 

Jakob bekommt die Welt und die Fülle Gottes zugesprochen – Esau

aber bleibt am Ende nur ein hartes Leben. Er wird leer ausgehen und sich dem jüngeren Bruder beugen müssen. Esau wird nicht unter dem großen Frieden Gottes stehen. Darum ist seine Reaktion auch nicht verwunderlich:

34 Als Esau diese Worte seines Vaters hörte, schrie er laut und wurde über die Maßen sehr betrübt.  Mein Erstgeburtsrecht hat er mir genommen und nun nimmt er mir auch noch den Segen …    36  und er erhob seine Stimme und weinte.  (1. Mose 27,34)

Jakob wird mit seinem rücksichtslosen Erschleichen des väterlichen Segens an seinem Bruder schuldig – und zwar tiefgreifend und bleibend. 

Jakob hintergeht den Vater – und er verübt einen psychischen und geistlichen Missbrauch an seinem Bruder. Er reist an sich, was ihm nicht zugesteht, wissend dass er damit Esau eine Bürde für das ganze Leben auflastet. 

An eine Versöhnung ist zunächst nicht zu denken. Vielmehr trifft Jakob der harte Zorn des Bruders. Darum muss Jakob fliehen, um sein Leben zu schützen. Hals über Kopf verlässt er das Haus und das Land. Er wird zum Getriebenen.

Für Esau aber bleibt kein Segen übrig. Verstehen kann ich das nicht wirklich. Denn seit Jesus ist Gottes Geschichte weiter gegangen. In Jesus gilt Gottes Segen allen – sogar den Feinden. Noch war es aber bei Jakob nicht so weit.

Ich habe in den vergangenen vier Jahren bei unterschiedlichen Kontakten manches gelernt zum Thema Missbrauch. Längst weiß ich viel zu wenig. Gewicht aber hat, dass Missbrauch an Kindern oder Schwachen kein Delikt ist, das mit der Zeit vergessen werden kann. Missbrauch – in welcher Form auch immer – ist ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeit und in die Intimität des Betroffenen. Eine solche Verletzung heilt nicht irgendwann aus. Sie wird oft abgespalten und innerlich verwahrt, damit das Leben weitergelebt werden kann. Aber sie bleibt ein gravierendes Vorzeichen für das gesamte Leben. Und Missbrauch, in welcher Form auch immer, verbaut im weiteren Leben manchen Weg, den andere problemlos beschreiten. Missbrauchtes Vertrauen verhindert, dass Menschen Vertrauen fassen. Physischer Missbrauch verhindert eine normale Entwicklung der Sexualität. Geistlicher Missbrauch kann dazu führen, dass Menschen gegenüber Gott ein Leben lang ablehnend sind. Das alles gilt es zu beachten, wenn wir in der kommenden Woche den Aufklärungsbericht lesen werden.

Zurück zu Esau und Jakob – und zurück zu unserem Thema: Stell dich deiner Vergangenheit.

Die Frage: Warum kommen viele Betroffene erst jetzt und erzählen – so viele Jahre danach? Diese Frage begegnet uns auch bei Jakob. Auch bei Jakob meldet sich erst viele Jahre später der Wunsch nach der Aufarbeitung – und dieser Wunsch ist vor allem ein Wunsch nach Begegnung und Versöhnung. Oft macht sich dieses Verlangen in der zweiten Lebenshälfte stark bemerkbar, wenn die eigenen Kräfte weniger werden und der Blick mehr in die Vergangenheit als in die Zukunft geht.

Stell dich deiner Vergangenheit – das ist ein schwerer Weg. Aufarbeitung ist „Arbeit“ – schwere Arbeit, für alle Beteiligten. Denn was uns ganzheitlich zeichnet, das muss auch ganzheitlich bearbeitet werden.

Wunsch und Ziel ist es, dass Klärung geschieht – Auf-Klärung. Doch wird dies nicht kriminalistisch gelingen im Sinne eines Polizeiprotokolls. Was damals exakt geschehen ist, das erfahren wir heute nur in Einzelfällen. Zu vieles ist über die Jahre verdeckt. Und zu unterschiedlich haben damalige Heimkinder die Dinge erlebt. Aber wir suchen nach Klarheit was Heimkinder aus der damaligen Zeit mitgenommen haben in ihr Leben; welche schweren innere Lasten sie aus Korntal mit ins Leben hineingenommen haben.

Diese Klarheit wollte auch Jakob. Darum lesen wir in 1.Mose 30:

26: Jakob zu seinem Onkel Laban:  „Entlass mich, dass ich ziehe an meinen Heimatort und in mein Land“. Jakob will und er muss zurück zu seinen Wurzeln. (1. Mose 30,26)

Manche Erfahrungen aus der weiteren Jakobsgeschichte können uns eine Hilfe sein, mit der Aufarbeitung der Korntaler Heimgeschichte klug umzugehen.

Jakobs Schritte der Aufarbeitung

·        Jakob überlegt lange und gut, wie er seinem Bruder, vor dem er damals im Streit geflohen ist, wieder begegnen kann.

Der Wunsch treibt ihn intensiv um. Denn Klärung ist ein anstrengender Prozess, der nicht so passant vollzogen werden kann. Aufarbeitung nimmt den ganzen Menschen in Beschlag. Wir haben Rückmeldungen, von Betroffenen, die sich dieser intensiven Arbeit nicht stellen können und wollen. Für sie wäre die Last der Erinnerung zu groß. Das müssen wir respektieren. Und wie leiden mit ihnen.

·        Der Impuls für die Versöhnung geht von Jakob, dem Schuldigen, aus.

Es gab Anzeichen in der Vergangenheit, dass Missstände nicht umfassend aufgeklärt wurden. Daher ist es heute umso wichtiger, dass alle Dinge auf den Tisch kommen. Wir wollen uns als Gemeinde nicht versperren, sondern im Gegenteil alle Kraft einsetzen, dass Aufarbeitung gelingen kann. Misstrauen ist in einem solchen Prozess Gift. Vertrauen ist gefragt, und ein solches Vertrauen wächst zuweilen nur langsam.

·        Jakobs Wunsch heißt:  „…dir zu begegnen, damit ich Gnade finde in deinen Augen“ (1Mo 32,6).

Gnade, in diesem Wunsch schwingt so viel mit: Ansehen, Wert, Nähe. Und die Frage stellt sich auch für uns heute: Was kann helfen, dass wieder Nähe und Ansehen entstehen? Wie können wir den Betroffenen in solch einer wertschätzenden Haltung begegnen. Und weiter: Sind wir bereit um Gnade zu bitten? Und um Vergebung?

·        Nun wird uns von Esau berichtet wie er Jakob begegnet.

Die Boten kamen zurück zu Jakob und sprachen: Er zieht dir auch entgegen mit 400 Mann. (1Mo 33,1)

Sind es Kämpfer – will Esau überhaupt die Versöhnung, oder steht der Tag der späten Abrechnung bevor?

Der Weg zum Frieden geht oft über sehr unterschiedliche Vorstellungen. Und es braucht mühsame Schritte der Abgleichung und des Verstehens. Brücken müssen gebaut werden. Und dabei gilt: Je schwerer die Lebenslast ist, desto länger braucht der Weg bis zur Annahme der Entschuldigung! Darum wird der Weg der Aufarbeitung sicherlich auch nach dem kommenden Donnerstag mit der Offenlegung des Berichtes nicht zu Ende sein. Es braucht weitere Schritte zueinander – persönliche und innerliche. Und diese wollen wir, so gut es uns möglich ist, auch tun. Und wir sind dankbar, dass auch Betroffene solche Schritte mitgehen.

·        Unmittelbar vor der Begegnung der mit dem älteren Bruder muss Jakob durch eine besondere Nacht der Anfechtung. Gott selbst tritt ihm entgegen und zwingt ihm einen Kampf auf. (1Mo 32,22-32).

Jakob muss durch das Dunkel der Anfechtung hindurch. Das mussten die Betroffenen in diesem Prozess je auf ihre Weise. Und das müssen auch wir als Gemeinde. Denn es gilt, dass wir uns der Last der Vergangenheit stellen.

Jakob entzieht sich diesen Kampf nicht. Er nimmt ihn vielmehr an und ringt bis zum Morgen mit der fremden Gestalt. Jakob hält aus, dass dieser Kampf ihn alle Kräfte kostet. Aber er lässt Gott, der sich ihm hier mit seiner verborgenen Seite zeigt nicht los.

In diesem Kampf kommt die ganze Vergangenheit Jakobs noch einmal hoch. Am Ende dieser denkwürdigen Nacht bleibt Jakob als ein Gezeichneter, als ein Verwundeter zurück. Dieses Zeichen nimmt er auf seinen weiteren Lebensweg mit.

1Mo 32,32: Und als er an Pnuel vorüberkam, ging ihm die Sonne auf; und er hinkte an seiner Hüfte.

Versöhnung mit Gott und Menschen ist kein einfacher Weg. Dieser Weg hinterlässt Narben. Jakob ist am Nerv getroffen. Und sein Weg wir fortan beschwerlicher sein als bisher. Auch dies mag ein Bild sein für den Aufarbeitungsweg bei uns. Es wird die Zeit kommen, dass wir überlegen, welches bleibende Zeichen der Erinnerung wir mitnehmen und für die Zukunft öffentlich machen.

·        33,3: Und Jakob ging vor ihnen her und neigte sich siebenmal zur
Erde, bis er zu seinem Bruder kam.

Diese äußerliche Geste der Beugung verrät viel von der innerlichen Haltung des Jakob. Er stellt sich zu seiner Schuld und er stellt sich ganz zu seinem Bruder. Esau seinerseits kommt und umarmt ihn. Mit solch einer Begegnung war nicht zu rechnen. Ein Wunder. Ein Geschenk Gottes.

Abschließend hören wir ein bewegendes Wort aus dem Mund Jakobs. Er überreicht seinem Bruder ein Versöhnungsgeschenk, das dieser aber nicht annehmen möchte. Doch Jakob bleibt dabei:

Hab ich Gnade gefunden vor dir, so nimm mein Geschenk von meiner Hand; denn ich sah dein Angesicht, als sähe ich Gottes Angesicht, und du hast mich freundlich angesehen. (1Mo 33,10)

Das könnte doch auch das Ziel der Korntaler Aufarbeitung sein, dass wir einander begegnen, als sähen wir Gottes Angesicht. Um dieses Wunder lasst uns weiter beten und dafür mit ganzer Kraft ringen. Damit viele durch die Aufarbeitung Wege zum Frieden gehen können.

Denn wer die eigene Geschichte aufarbeitet macht sich auf den Weg, Frieden zu finden:

=> Frieden mit den anderen

=> Frieden mit sich selbst

=> Frieden mit Gott.

Amen.

 

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