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Von: Pfr. Wanner
12.01.2003 09:45

Thema: Im Auftrag des Herrn, aller Welt zum Trotz

Jeremia 1, 4-19
01/03 - Jahreslosung der Brüdergemeinde


Sonntag, 12. Januar 2003

Pfr. Michael Wanner

 

Thema: „Im Auftrag des Herrn,

aller Welt zum Trotz“

Jeremia 1, 4-19

 

Predigt zur Jahreslosung der Brüdergemeinde

 

 

Liebe Gemeinde, liebe Freude!

 

„Im Auftrag des Herrn, aller Welt zum Trotz“, das klingt ja fast wie der Titel eines neuen James Bond-Films. Im Auftrag seiner Majestät, in aller-höchster Mission, gesandt von der Chefin des Britischen Geheimdienstes ist Spion 007 unterwegs.

 

Überall lauern Gefahren, warten Fallen und werden gefährliche Intrigen geschmiedet. Aber James Bond meistert alles heldenhaft. Ob als Wellenreiter bei Nacht, als Hovercraftfahrer, im wilden Schusswechsel, im Nahkampf und oder beim Fechten - immer geht er als der Sieger hervor. Schnelle Autos mit allen Raffinessen, Rennschlitten, Hubschrauber und Spezialfallschirme ste-hen für ihn zur rechten Zeit bereit. Hinter ihm explodieren Häuser, neben ihm stürzen Trümmer zu Boden. Nichts kann ihm schaden. Am Ende ist der Auftrag ausgeführt, die Mission gelingt und vor allem: das Gute siegt!

 

„Im Auftrag des Herrn, aller Welt zum Trotz“ ist aber nicht der Titel ei-nes neuen James Bond-Films, sondern das Thema der Predigt und die Be-stimmung der Christen.

 

Das Ziel des Herrn und seiner Leute ist ganz ähnlich. Es könnte in Bezug auf das Böse heißen wie der letzte Bond Film: „Stirb an einem anderen Tag.“ Satan und die Macht des Bösen wurde am Kreuz empfindlich getrof-fen. Aber er ist noch nicht ausgeschaltet. Er stirbt an einem anderem Tag. Sein Ende kommt, wenn Jesus kommt und sein Reich in dieser Welt aufrich-tet. Das Ziel der Christen ist ganz ähnlich. Das Gute wird siegen. Besser: Je-sus wird siegen.

 

Aber alles andere ist völlig anders. Die Leute, die der Herr beauftragt, sind andere. Die Mittel, die er einsetzt, sind andere und der Weg, den er geht, um sein Ziel zu erreichen, ist ein anderer. Jesus kommt zum Ziel, gewiss! Aber er kommt ganz anders zum Ziel. Das ist auch gewiss.

 

„Im Auftrag des Herrn, aller Welt zum Trotz“ – darum geht es bei der Jahreslosung unserer Gemeinde. Sie heißt: „Wenn sie auch wider dich strei-ten, sollen sie dir dennoch nichts anhaben können; denn ich bin bei dir, spricht der Herr, dass ich dich errette.“

 

Im Auftrag des Herrn

 

Der Auftrag des Herrn trifft auf Menschen. Einzelne werden von Gott an-gesprochen. Sie werden durch sein Wort überrascht und bekommen einen Auftrag.

 

Jeremia, der junge Priestersohn aus dem Dorf Anatot, beschreibt selbst, wie er vom Wort des Herrn getroffen wird. Er sagt: „Das Wort des Herrn ge-schah zu mir.“

 

Das Wort Gottes geschieht. Es ist also keine langatmige Kanzelrede, die nichts als gelangweiltes Gähnen hervorruft. Das Wort Gottes ist auch keine angenehme Hintergrundmusik, mit der wir uns immerfort berieseln lassen können. Das Wort Gottes ist auch kein Trostpflästerchen für alle Wehweh-chen des Lebens gleichermaßen geeignet und erst recht keine Placebo-Pille, die denen hilft, die daran glauben.

 

Das Wort Gottes hat Ereignischarakter. Es geschieht, es wirkt, es trifft. Jeremia beschreibt die Wirkung so: „Es ist wie ein Hammer und wie ein Feu-er. Gottes Wort ist wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt“ (Jer 23,29).

 

Wie geschieht Gottes Wort, wie ereignet es sich?

Gottes Wort geschieht als Berufung.

 

Jeremia hört von Gott: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe be-reitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest und bestellte dich zum Propheten für die Völker.“ Gott hat nicht unter Millionen von Jugendlichen durch ein kompliziertes Ausleseverfahren den Fähigsten herausgefiltert. Er hat auch nicht in sämtlichen Kindergärten nachgeschaut, um die Begabtesten rechtzeitig fördern zu können. Er hat auch nicht aus einer großen Anzahl von Embryos den Embryo mit der idealsten Genkombination zum Propheten der Völker erwählt.

 

Nein, die persönliche Geschichte Gottes mit einem Menschen beginnt schon viel früher und folgt auch ganz anderen Kriterien. Sie beginnt mit einem Ge-danken, mit dem Gedanken Gottes, einen Menschen zu schaffen, den er mit einem Auftrag verbindet.

 

Gott kannte Jeremia schon als er noch nicht einmal als Embryo existierte. Er war schon vor seiner Zeugung ein Gedanke Gottes. Er war präexistent im Geist Gottes. Und Gott sonderte ihn schon für einen bestimmten Auftrag aus, bevor er überhaupt geboren war. Schon damals stand fest, wofür Jeremia von Gott geschaffen worden war. Jeremia sollte Prophet für die Völker wer-den.

 

So ist es auch mit uns. Kinder Gottes sind erwählt. Ihre Erwählung geht zu-rück in das Stadium vor ihrer Zeugung. Ja noch mehr. Paulus wurde gezeigt, dass unsere Erwählung sogar zurückreicht in die Zeit vor der Schöpfung der Welt. „Er hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten; in seiner Liebe“ (Eph. 1,4).

 

Nebenbei: Wenn das so ist, was für ein unbeschreiblicher Frevel ist es dann vor diesem Hintergrund, mit Embryos zu experimentieren und Ungeborene abzutreiben!

 

Jeremia hört von seiner Erwählung und vom Auftrag des Herrn, Prophet der Völker zu sein. Aber nun kommen ihm viele Zweifel und Einwände: „Herr, Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“

 

Wir hören uns selbst reden: „Herr, ich verliere so viel, wenn ich das ma-che. Diese Aufgabe ist jetzt nichts für mich.“ „Herr, was du von mir ver-langst, ist zu schwer. Ich kann das nicht durchhalten.“ „Herr, ich mache mich lächerlich vor den anderen, wenn ich diese Meinung vertrete. Niemand denkt heute mehr so.“ „Herr, ich habe nicht die Fähigkeiten, von dir weiterzuer-zählen, das können andere doch viel besser.“ „Herr, ich habe es schon so oft versucht noch einmal von vorne anzufangen. Jetzt kann ich nicht mehr. Es hat doch keinen Wert. Ich gebe es auf, ich habe in dieser Angelegenheit kei-ne Hoffnung mehr.“

 

Aber der Herr lässt diese Einwände nicht gelten. Der Auftrag steht fest, alles andere regelt der Herr. Jeremia braucht keinerlei Voraussetzungen mit-zubringen.

 

Gott befähigt zu dem, wozu er beruft. Er sagt: „Du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.“ Ganz spürbar und er-fahrbar wird Jeremia jetzt ermutigt. Gott berührt seine Zunge und legt ihm in den Mund, was er sagen soll.

 

Und so befähigt der Herr uns zu den Eltern zu stehen, die er uns gegeben hat. Er befähigt uns die Ausbildung durchzuhalten, in die er uns gestellt hat. Er befähigt uns, in dem Beruf auszuhalten, zu dem er uns berufen hat. Er be-fähigt uns, an der Ehe festzuhalten, zu der er zwei Menschen zusammenge-fügt hat und er befähigt uns, die schwere Wegstrecke weiterzugehen, die er mit uns begonnen hat.

 

Wie geschieht Gottes Wort, wie ereignet es sich?

Es geschieht als Berufung. Es geschieht aber auch als Verkündigung.

 

Jeremia sieht unterwegs einen erwachenden Zweig vor sich, vielleicht den Zweig eines Mandelbaums. Die Knospen springen auf und der Zweig beginnt zu blühen. So wird die Verkündigung wirken. Die Hoffnung bekommt Knos-pen und neues Leben bricht auf, wo das Wort Gottes verkündigt wird. Gott selbst will darüber wachen, dass alles geschieht, was in seinem Auftrag ver-kündigt wird.

 

Kurze Zeit später steht Jeremia in einer Hütte vor dem Herdfeuer. Über dem Feuer hängt ein Kessel, der überkocht. So wird die Verkündigung auch wirken. Ein Bild für den vernichtenden und brennend heißen Zorn Gottes, der auf die überkocht, die keine Buße tun.

 

Beides gehört in der Verkündigung zusammen: Gnade und Gericht. Jere-mia soll durch seine Verkündigung aufbauen und pflanzen. Er soll aber auch deutlich ansprechen, was dem Herrn nicht gefällt. Er soll durch seine Ver-kündigung auch einreißen und ausreißen.

 

Darum geht es in diesem Jahr, dass wir uns beauftragen lassen. Und darum geht es auch, dass wir das, was wir vom Wort Gottes erkannt haben, weiter-sagen und verkündigen. Das ist unser Auftrag.

 

Dabei ergeht das Wort Gottes aber genauso wie bei Jeremia zuerst an uns.

 

Der Herr will uns durch sein Wort zeigen, was aufbrechen und wachsen soll, was er aufbauen und pflanzen will. Er will aber auch zeigen, was er vernich-ten will, was aus unserem Leben mit Stumpf und Stiel ausgerissen werden muss und was von dem, was wir selbstherrlich aufgebaut haben, wieder ein-gerissen werden muss.

 

Im Auftrag des Herrn

 

Aller Welt zum Trotz

 

Jeremia ist gehorsam. Er ist im Auftrag des Herrn unterwegs. Er predigt im Tempel und prangert den Gottesdienst an. Die Gottesdienste bleiben ohne Konsequenzen. Die Menschen bessern ihr Leben nicht (Jer.7,3). Jeremia wendet sich gegen die Politiker, die einen billigen Frieden suchen, um das Volk zu befriedigen, aber den Schaden des Volkes nicht aufdecken und auch nicht heilen wollen (Jer.8,11).

 

Nun regt sich Widerstand. Die Bevölkerung seines Heimatortes Anatot will ihm den Mund verbieten und will ihn umbringen. Die Vertreter der Regie-rung ziehen ihn aus dem Verkehr, indem sie ihn in eine leere Zisterne wer-fen.

 

War Jeremia in diesen schwierigen Situationen fest und stark? War ein eine feste Stadt, eine eiserne Säule und eine eherne Mauer? Wirkte er im Auftrag des Herrn, aller Welt zum Trotz?

 

Sehr oft, aber nicht immer. Wir hören, wie er auch in schwere Zeiten der Anfechtung kam. Er klagt Gott an. Er verflucht den Tag seiner Geburt. „Verflucht sei der Tag, an dem ich geboren bin; der Tag soll ungesegnet sein, an dem mich meine Mutter geboren hat“ (Jer. 20,14).

 

Von sich selbst aus war Jeremia nicht stark. Aber Gott hat ihn stark ge-macht. Jeremia wurde ein Mann, „gegossen aus Erz und zerrinnend in Trä-nen“, wie das einmal jemand beschrieben hat.

 

Immer wieder hat ihn Gott ermutigt: „Ich bin bei dir.“ Als der König Jo-jachim die Schriftrolle verbrannte, die Jeremia ihm übermitteln ließ, gab Gott ihm den Mut, noch einmal von vorne anzufangen. Er diktierte seinem Schreiber Baruch die ganze Schriftrolle neu.

 

Immer wieder hat ihn Gott ermutigt: „Ich bin bei dir, dass ich dich eret-te“. Als Jeremia in der Zisterne gefangen saß, schickt Gott den Schwarzen Ebed-Melech, um Jeremia heimlich zu befreien. Ebed Melech nahm ein Seil, umwickelte es mit Kleidern, damit es nicht so weh tat, und zog den Prophe-ten aus dem dunklen Loch heraus.

 

Mit drei Bildern wird wunderbar beschrieben, wozu der Vater im Himmel seine Kinder machen will, aller Welt zum Trotz. Er sagt zu Jeremia und auch zu jedem von uns: „Ich will dich heute zur festen Stadt, zur eisernen Säule und zur ehernen Mauer machen.“

 

Da ist zuerst das Bild von der festen Stadt.. Eine befestigte Stadt bietet Schutz und Geborgenheit. Eine feste Stadt ist gut geschützt, tief gegründet, hoch gelegen, gut verteidigt, ständig bewacht, uneinnehmbar. Zu so einer fe-sten Stadt möchte der Herr uns machen. Bei Jesaja wird das feste Herz, in dem Frieden wohnt, mit einer festen Stadt verglichen (Jes.26,3).

 

Wenn ein Mensch für einen anderen zur festen Stadt wird, spürt man ihm et-was ab von diesem tiefen Frieden, den er in sich trägt, aber auch von seinem festen Fundament, das er für sein Leben hat. Er gibt durch sein Leben Orien-tierung und setzt Maßstäbe, weil er durch die Gebote Gottes selbst Orientie-rung und Maßstäbe findet.

 

Gott möchte uns aber auch zu einer eisernen Säule machen. Viele Dinge in unserem Leben, die wir als schwere Belastung empfinden, dienen in Wirk-lichkeit dazu, dass wir stabil und tragfähig werden und dann auch die Lasten anderen tragen können. Jesus verspricht: „Wer überwindet, den will ich ma-chen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hin-ausgehen“ (Offb. 3,12).

 

Wie oft haben wir das schon selbst erlebt, dass gerade solche Menschen, die selbst bestimmte Krisen und Durststrecken im Leben mit Jesus bewältigt haben, für uns zur Hilfe und zur Ermutigung geworden sind.

 

Jakobus, Petrus und Johannes waren solche Säulen in der ersten Gemeinde. Viele konnten sich an sie anlehnen und auf sie stützen. Sie hat so schnell nichts umgeworfen (Gal. 2,9).

 

Die Gemeinde als Ganzes soll nach dem Willen des Herrn in dieser Welt ein Pfeiler und eine Grundfeste der Wahrheit sein (1.Tim. 3,15). An der Ge-meinde sollen andere erkennen, was wirklich zählt und gilt, was das Leben stützt und was Gott wichtig ist. Wie haltlos wird diese Welt, wenn diese Grundpfeiler ins Wanken kommen?

 

Neben der festen Stadt und der ehernen Säule verwendet Gott noch das Bild von der ehernen Mauer.

 

Mauern gelten in der Bibel als Schutz vor den Feinden Gottes und vor der Sünde. Nicht umsonst war Nehemia bemüht, so schnell wie möglich die Mauer der Stadt Jerusalem wieder aufzubauen. Und selbst bei der himmli-schen Stadt Jerusalem hat Gott als Baumeister nicht auf hohe Mauern ver-zichtet. Diese Mauern trennen die heilige Stadt von den Gottlosen, die nicht Buße tun wollen.

 

Die Bibel vergleicht die Sünde mit einem Riss in der Mauer. Gott sagt: „Sünde ist wie ein Riß, wenn es beginnt zu rieseln an einer hohen Mauer, die plötzlich, unversehens einstürzt“ (Jes. 30,13)

 

Als Christen sind wir Menschen, die sich von allem trennen, was den Geist Gottes betrüben könnte. Wir sollten als „eherne Mauer“ sehr wohl zu unterscheiden wissen zwischen Licht und Finsternis, Recht und Unrecht, Gottes Liebe und Gottes Zorn, zwischen drinnen und draußen, Gemeinde und Welt, gerettet und verloren. Durch das Leben eines Gläubigen sollte etwas deutlich werden von der Klarheit des Herrn, die andere Menschen zum Glau-ben einlädt.

 

Im Auftrag des Herrn, aller Welt zum Trotz.

 

Auf dem Hintergrund dieses Auftrags, mit einem Herrn, der uns den Rücken stärkt und uns errettet, können wir vorwärtsgehen. Es kommt nicht auf unse-re Frömmigkeit oder unsere Charakterstärke, sondern auf unseren Begleiter an, auf den, der gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage.“

 

„Jeremia hört den Aufruf: „So gürte nun deine Lenden und predige ihnen alles, was ich dir gebiete. Erschrick nicht vor ihnen.“

 

„Wenn sie auch wider dich streiten, sollen sie dir dennoch nichts anhaben können, denn ich bin bei dir, spricht der Herr, dass ich dich errette.“

 

Amen